Es gibt viele Gründe, warum ein fader Beigeschmack nach der Einwohnerversammlung in Rietschen zurückbleibt. Nicht nur deshalb, weil zum Teil mit sehr fragwürdigen Argumenten hantiert wurde. Auch nicht, weil Stefan Schulz selbst einräumt, „kein Experte zu sein“, gleichzeitig aber Behauptungen in den Raum stellt, die gar nicht stimmen und mühselig ausdiskutiert werden müssten. Sondern vor allem deshalb, weil über Rietschen selbst kaum gesprochen wurde.

Die Ängste in der Einwohnerschaft sind verständlich. Immerhin geht es um eine neue Technologie und letztlich auch um die Frage, ob man Versuchskaninchen sein will oder nicht. Es lohnt sich jedoch, sich an die Fakten zu halten und zu fragen, ob man wirklich Versuchskaninchen sein würde. Denn bei aller Kritik an 5G und der Frage, ob der Bürgermeister eigenmächtig gehandelt oder nicht: Die möglicherweise berechtigte Kritik erreicht nicht die, die über den Ausbau entscheiden.

Erreichen würde man die Entscheider in Berlin, indem mittels der Gelder, die Rietschen erhalten hat, Studien und Konzepte entwickelt werden, wo genau das drinsteht, was die Kritiker befürchten oder die Befürworter sich wünschen. Das nämlich bedeutet Mitbestimmung und Teilhabe. Es ist nämlich einfach, seinen Frust am Bürgermeister auszulassen – auch weil er sich vielleicht beim Faschingsumzug im Ton vergriffen hat. Er hat die Kritiker eingeladen, mit zu wirken.

Fakt ist: Die Gemeinde hat keine gesetzliche Möglichkeit, den Ausbau für das 5G-Netz selbst durchzuführen. Sie hat einen Fördermittelbescheid dafür erhalten, eine Idee zu entwickeln, wie das 5G-Netz genutzt werden könnte. Wenn es Rietschen nicht macht, macht es eine andere Kommune. Die Chance, sich aktiv einzubringen und zu diskutieren, ob 5G gefährlich ist oder nicht, wäre dann vertan. Ob die entwickelten Ideen in Rietschen in einen zweiten Schritt je umgesetzt werden, darüber wird in einem zweiten Schritt, wie der Bürgermeister betont, mit dem Rat und den Einwohnern entschieden. Und wäre das nicht besser als vielleicht später, irgendwann in der Zukunft, von anderen Konzepte übergeholfen zu bekommen?