Bombardiers 2200 Mitarbeiter in der Lausitz erhalten ein kleines Stück Sicherheit – für drei Monate. Während der Konzern über seinen Verkauf mit Alstom verhandelt, wird in Sachsen nicht entlassen. Gute Nachrichten klingen anders. Das Beispiel zeigt: Die großen Industriefirmen werden für die regionale Wirtschaft zu einer unsicheren Größe. In den Aufbaujahren nach der Wiedervereinigung galten sie als sichere Bank. Wo sich Siemens, VW oder Linde ansiedelten, winkten Steuereinnahmen, gute Jobs und letztlich Zukunft. Das waren Leuchttürme für ganze Regionen, die auch Handwerk und Mittelstand mitziehen sollten.
Dieses Bild verblasst. Seit Jahren häufen sich schlechte Nachrichten aus Konzernzentralen, die oft weit weg liegen und wenig Bindung zu ihren Ost-Niederlassungen haben. Fahrzeugbau und Schwerindustrie stecken in der Transformation und müssen sparen. In der Krise sind ferne Besitzungen leicht abstoßbar, das musste der Osten lernen.
Für die Politik ergibt sich daraus eine Abhängigkeit. Sie muss tiefer in die Tasche greifen, um Standorte zu sichern, die als systemrelevant gelten, obwohl dort immer weniger Leute arbeiten. Und so machen Länder immer neue Zusagen, garantieren für Staatsaufträge, asphaltieren neue Straßen bis ans Werktor.
Trotzdem bleibt auf Dauer die Frage unausweichlich, wie viel öffentliches Geld man ausgeben soll, damit die Essen weiter rauchen. Sicherheit gibt es dafür jedenfalls nicht zu kaufen. Die Ära der großen Player in der Lausitz geht zu Ende.