„Damit der Hass irgendwann vergeht.“ Diesen Slogan hat sich das Bündnis „Cottbus Nazifrei“ in seinen Briefkopf geschrieben. Nun ist das Bündnis weg – der Hass aber noch da. Das mag sich für den einen oder anderen, der in einem bunten und weltoffenen Cottbus leben möchte, nicht zufriedenstellend und irgendwie unfertig anfühlen. Gerade in diesen hasserfüllten Tagen, in denen jede Zukunft-Heimat-Demo das ohnehin schon bescheidene Image der Stadt Cottbus und der gesamten Region in Südbrandenburg weiter torpediert. Während die Normalisierung fremdenfeindlicher Ein- und Aufstellungen in unserer Gesellschaft weiter sukzessive voranschreitet und der Verfassungsschutz so viele Rechtsextremisten in Brandenburg zählt wie noch nie zuvor, erklärt eine Widerstandsbewegung ihren Rückzug und „Cottbus verliert eine wichtige Säule des Engagements gegen Rechts“, wie eine Facebook-Nutzerin kommentiert.

Wie viel Mut wendet jeder einzelne auf im Kampf gegen Nazis?

Viele fragen sich: Wie können sie nur? Und gibt es jetzt überhaupt noch Engagement gegen Rechts in Cottbus? Dazu sind zwei Dinge zu sagen. Erstens: Ja, „Cottbus Nazifrei“ hat wichtige und wegbereitende Demokratie-Arbeit geleistet, aber nicht allein. In der öffentlichen Wahrnehmung neigt man womöglich dazu, das Bündnis auch ein bisschen zu überhöhen, weil der Name so schön groß und einprägsam klingt. Daraus eine konkrete Erwartungshaltung abzuleiten, ist aber illusorisch und auch nicht gerecht. Und zweitens: Jeder, der sich jetzt dabei erwischt, die über zehn Jahre ehrenamtlichen Aktivisten für die Auflösung von „Cottbus Nazifrei“ zu kritisieren, sollte zunächst mal überprüfen, wie viel Zeit und Mut er selbst aufwendet im Kampf gegen Nationalsozialisten – und für eine Stadt ohne Hass.

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