Für Michael Stübgen gab es stehende Ovationen und Gesang. „Viel Glück und viel Segen“ schmetterten die Koalitionäre, als der Parlamentarische Staatssekretär in dieser Woche den Verhandlungsraum der Kenia-Koalition betrat. Denn der CDU-Politiker wurde 60 Jahre alt. So weit, so gut.

Aber was schenkt man eigentlich jemanden, mit dem man gerade um einen neuen Koalitionsvertrag ringt? Es musste etwas eindeutig-zweideutiges sein. Dass die SPD mit einem Rotwein kam, ist nachvollziehbar.

Die Grünen indes entschieden sich für einen schottischen Whisky mit einem grünen Label auf der Flasche. Das Geschenk löste Freude aus – wobei, mal ganz ehrlich: Mit gutem Whisky ist das ja nun so eine Sache.

Manche Menschen, etwa der Verfasser dieser Zeilen, sind nun einmal Puristen und würden einen „blended“, also aus mehreren Fässern zusammengemischten Whisky, eher im Regal für Reinigungsmittel und Sanitärbedarf als in der Spirituosenabteilung verorten. Speziell, wenn es sich dabei nicht um ein rauchiges Torfmonster von der Insel Islay handelt ...

Feiern jedenfalls kann man mit solchen Getränken ganz gut. Und vielleicht hat das ja auch Stefan Ludwig in der letzten Woche getan. Denn der Brandenburger Europaminister, dessen Amtszeit mit der Wahl und Vereidigung der neuen Landesregierung unwiederruflich endet, kann noch Wahlen gewinnen.

Nach dem Parteitag der Linken und dem Stimmergebnis in Cottbus ist das durchaus bemerkenswert. Aber am vergangenen Freitag wurde Ludwig doch tatsächlich und ganz turnusgemäß der neue Vorsitzende der Europakammer des Bundesrates, jedenfalls für die Zeit, in der er noch Landesminister ist. Ob das Gremium in den drei oder vier Wochen bis zum neuen Landeskabinett dann tatsächlich noch etwas zu tun bekommt, ist eine völlig andere Frage – aber ein Grund zum Feiern ist das doch allemal.