Es ist einer der schönsten Ausblicke, die man in Potsdam haben kann. Wenn die Koalitionsverhandler im Kongresshotel an der Pirschheide zusammenkommen, tagen sie im vierten Stock, hoch über den Baumwipfeln des umliegenden Waldes und blicken auf den Seddiner See. In der Ferne sieht man die letzten Segler, und auch das Potsdamer Wassertaxi tuckert zuweilen gemütlich vorbei.

Wobei – per Boot ist bislang noch keine der Parteien zu den Koalitionsverhandlungen gereist. Dabei wäre das durchaus empfehlenswert: Denn wer mit dem Auto die Potsdamer Zeppelinstraße entlangfährt, steckt eigentlich immer in irgendeinem Stau. Und auch der Regionalverkehr der Bahn ist in Berlin und Brandenburg bekanntlich nicht sehr zuverlässig.

Unter Journalisten macht jedenfalls in diesen Tagen das Gerücht die Runde, dass die Verhandlungen in Potsdam um 10.30 Uhr beginnen, weil die Grünen konsequent mit Bus und Bahn zu den Verhandlungsrunden kommen – und es früher nun einmal nicht schaffen würden.

Gestern freilich tauchte ein neues Gerücht aus Verhandlerkreisen auf: Weil sie mit dem privaten Pkw auf der Autobahn fast zwei Stunden im Stau gestanden haben, seien einige Mitglieder der grünen Delegation zu spät zu den Verhandlungen der Arbeitsgruppe Wirtschaft gekommen. Was am Ende – neben dem Rat, künftig ein Wasserfahrzeug zu benutzen – nur einen Schluss zulässt: Das bei Weitem wichtigste Thema im Land Brandenburg ist die Verkehrsinfrastruktur. Und vielleicht ist es da ja dann auch mal ganz hilfreich, dass nun die Koalitionsverhandler am eigenen Leib erleben, worüber Tausende Pendler im Land Tag für Tag auf dem Weg zur Arbeit stöhnen ...