Und noch allzu zornig erinnern sich die Helden der "Orangenen Revolution" an das Dauer-Störfeuer von Russlands Staatschef Wladimir Putin, der Viktor Janukowitsch, den Kandidaten des alten Präsidenten Leonid Kutschma, trotz offensichtlichen Wahlbetrugs zum Wahlsieg gratulierte.
Dennoch - dass Juschtschenko gestern sein Versprechen wahr machte und zuerst zu seinem Widersacher nach Moskau reiste, ist eine kluge und strategisch richtige Entscheidung.
Sein Bekenntnis zum Neuanfang mit Moskau und die Parole, dass man "Probleme der Vergangenheit nicht mit in die Zukunft nehmen darf", ist zudem eine versöhnliche Botschaft an die Menschen im Osten der Ukraine, die sich stark an Russland orientieren und ihrem neuen Staatschef Misstrauen entgegenbringen.
Aber vor allen Dingen weiß Juschtschenko ebenso wie der Kreml-Chef, dass die beiden ehemaligen Bruderländer - wirtschaftlich und historisch verflochten - nicht ohneeinander auskommen können. Ein unversöhnlicher Blick zurück würde beiden Ländern schaden. Und so werden beide Präsidenten künftig mit Kompromissen leben müssen. Dass Juschtschenko sich nicht wie sein Vorgänger von Moskau instrumentalisieren lässt, bewies er gestern schon einmal, indem er selbstbewusst noch vor Reiseantritt die Ernennung der in Moskau verhassten radikalen Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko zur amtierenden Regierungschefin bekannt gab.