Weihnachten ist für viele Menschen in der Lausitz der verbliebene Anlass, zu denen noch die ganze Familie zusammenkommt: Omas, Opas, Mütter, Väter, Kinder, versammelt um den Weihnachtsbaum, beim festlichen Essen, Musik erklingt ...

Heutzutage sind familiäre Momente rar. Die Kinder sind vielleicht schon fortgezogen zum Lernen, Studieren oder Arbeiten. Die Großeltern leben noch im alten Dorf. Aber die Eltern wohnen anderswo, sind der Arbeit hinterhergezogen oder als Pendlerinnen und Pendler viel zu viel unterwegs.

So kann das Weihnachtsfest, das die Geburt Jesu und des Christentums feiert und die heilige Familie aus Maria, Josef und Jesus in den Mittelpunkt stellt, auch für Nichtgläubige und wenn die Familienverhältnisse modern oder kompliziert sind, neue Bedeutung erlangen. Es ist die Begebenheit, die Familien zusammenbringt.

Zu hohe Erwartungen an Weihnachten: ein Familiendrama

Das weckt zu hohe Erwartungen, und Familiendramen können die Folge sein. Hoffentlich kennen die meisten solche Szenen nur aus dem weihnachtlichen Fernsehprogramm. Trotzdem Grund genug, vor dem frohen Fest abzuchecken, was zu Konflikten führt. Wenn bestimmte Reizthemen nicht zu vermeiden sind, ist vielleicht weniger Familie angesagt.

Allerdings stellt Weihnachten für viele Menschen gar kein Familienfest mehr dar: Die Zahl allein stehender Menschen ist gewachsen. Wenn sie Glück haben, kümmern sich Nachbarn oder Freunde – oder es gibt eine Feier in der Seniorengruppe. Andere wiederum müssen arbeiten. Oder können sich kein Fest leisten.

Dafür gibt es zwar Spenderinnen und Spender oder die Tafeln in der Region, die auch zu Feiertagen dafür sorgen, dass es bei armen Leuten genug zu essen gibt. Aber es ist nicht Dasselbe, für sich selbst sorgen zu können oder zu Weihnachten auf Hilfe anderer angewiesen zu sein – auch wenn dies schon das Schicksal von Jesus und seinen biblischen Eltern war.

Weihnachten: Konsumrausch oder Geschenke-Verzicht?

Dagegen das überbordende weihnachtliche Konsumangebot: Es gibt Geschenke selbst für diejenigen, die schon alles haben: schon wieder neues Smartphone? Muss wohl. Noch ein edles Parfüm mehr für die endlose Regalreihe? Sicher. Oder eine Dritt-Armbanduhr? Auch gut, insbesondere für den Einzelhandel.

Kleidung unterm Weihnachtsbaum Was ist der Geschenke-Klassiker zum Fest?

Forst

Kein Wunder, dass manche gegenseitigen Geschenke-Verzicht zum Trend erheben oder sich noch vor Heiligabend ganz aus dem Staub machen, in fernen Ländern weilen. Trotz Flugscham und Abgas-Angst nutzen viele die Tage „zwischen den Jahren“ als Angebot, sich frei zu machen vom gewohnten Umfeld. Jedenfalls sind jede Menge Menschen jetzt unterwegs, auch per Auto und im Stau, per Bahn in der Hoffnung auf pünktliche Züge und in letzter Minute im Stadtbus, in der Tram oder auf dem Fahrrad, um doch noch irgendwo ein ganz kleines Geschenk zu finden.

So ist das heilige Familienfest zum Hochamt der Mobilität geworden. Daher: Halten Sie durch und ab und zu mal an. Vergessen Sie nicht abzuschalten – Handy, Herd oder Hektik. Denn es soll wieder Weihnachten werden auf Erden.