Doch Frieden und Menschlichkeit scheinen angesichts des wackelnden Euro, Zwist um die Braunkohle oder Streit in der Familie nur fromme Wünsche zu sein. Schnell fallen einem noch andere schlechte Nachrichten ein, die täglich in die Wohnung dringen.

“Bad news are good news„ - “schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten„, wird immer etwas zynisch über die Kriterien gesagt, nach welchen Medien ein Ereignis für berichtenswert halten. Dieser manchmal etwas einseitige Blick verstärkt noch das eigene Gefühl, dass vieles nicht gut läuft. Doch es gilt, sich davon nicht die Sicht nehmen zu lassen. “Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren„ lautet die frohe Botschaft, die der Engel den verängstigten Hirten auf dem Feld in der Weihnachtsgeschichte zuruft. Diese frohe Botschaft benötigen wir heute genauso wie vor 2000 Jahren. Die Hirten damals folgten dem Weihnachtsstern, der sie zum Jesuskind in den Stall brachte. Sein Licht steht für die gute Botschaft, die in die Welt kommt, indem Gott Mensch wird. Gott ist nicht weit weg und unnahbar. Er beauftragt nicht nur andere, sondern auch uns, seine Botschaft zu leben.

“Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens„, verkündet der Engel. Wer aber sind die Menschen, die Gott gefallen? Ist dafür ein besonderer Glaube notwendig? Wenn wir auf unseren Nachbarn Acht geben, selbst im Streit, wenn wir uns auch für das Wohlergehen unseres Nächsten interessieren, dann kann sich hierin die Weihnachtsbotschaft das ganze Jahr wiederfinden. Gott darf als ein Gegenüber in uns eine Rolle spielen. Und im Licht des Sterns von Bethlehem betrachtet, gibt es zur Weihnachtszeit vieles, was im Laufe des Jahres gut gelungen ist.

Viele Firmen stellen wieder Arbeitskräfte ein, und das trotz weltweiter Wirtschaftskrise. Unsere Kinder lernen besser in der Schule, wie die neue Pisa-Studie gezeigt hat. Rund jeder Dritte engagiert sich ehrenamtlich, in Kirchen, Sportvereinen oder der Volkssolidarität. Die Flutkatastrophe in Pakistan hat auch bei uns in Deutschland sehr viele Menschen bewegt und sie haben trotz knapper Kasse in der Urlaubszeit viel Geld gespendet. Es gibt wahrlich viele gute Nachrichten, über die wir uns in der Rückschau auf das zu Ende gehende Jahr auch freuen können. Oft ist mehr als ein Anfang gemacht. Lassen Sie uns das Licht des Weihnachtssterns weitertragen und uns miteinander freuen, dass auch Schweres verändert werden kann und sich vieles zum Guten wendet. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Markus Dröge

ist Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.