Die Berechnungen, die das Robert Koch-Institut, die Weltgesundheitsorganisation und die Johns Hopkins Universität uns vorlegen, sprechen eine klare Sprache: Die Coronakrise würde, ohne eindämmende Maßnahmen, allein in Deutschland mehrere Hunderttausend Tote kosten. Wer also meint, Covid-19 würde an uns ebenso vorbeiziehen wie jede saisonale Grippe, der irrt.

Dennoch sollte uns klar sein: Corona wird einen hohen Preis von uns fordern, ganz egal, wie wir uns jetzt verhalten.

Der texanische Vizegouverneur Dan Patrick hat vor einigen Tagen weltweit Aufsehen erregt, weil er gesagt hat, Großeltern wären bereit, sich für ihre Enkel zu opfern. Es sei in Zeiten von Corona besser, wenn alte Menschen sterben, dafür aber die Wirtschaft gerettet werden könne.

Das klingt furchtbar, absurd und nach dem Trump-Amerika, über das man ohnehin nur den Kopf schütteln kann. Wer dennoch über diese provokante These nachdenkt, der merkt: Der Texaner spricht nur das aus, was unter Wissenschaftlern derzeit weltweit heiß diskutiert wird: Auf die drastischen Eindämmunsgmaßnahmen werden zwangsläufig schmerzhafte wirtschaftliche Krisen folgen. Diese Krisen werden zu höherer Arbeitslosigkeit führen, zu neuen Minijobs und prekären Verhältnissen. Wer arm ist, auch das ist längst wissenschaftlich belegt, stirbt früher als Menschen, die in gesicherten Verhältnissen leben.

Corona ist also auch dann noch eine Bedrohung, wenn der Virus längst eingedämmt ist. Dann wird es darauf ankommen, die Folgekosten für die Gesellschaft so gering wie möglich zu halten und zu verhindern, dass breite Bevölkerungsteile in wirtschaftliche Not geraten. Dafür braucht es, neben den jetzt geschnürten Hilfspaketen, eine Sozialpolitik, die allen Menschen die Chance auf ein langes und gesundes Leben ermöglicht.