Ich mag Leute nicht, die in Schubladen denken. Aber mal ohne Scheiß! Wer kauft das ganze Klopapier? Warum macht ihr das? Und was habt ihr damit vor? Dafür mache ich dann doch eine Schublade auf: Für mich gehören die Leute in das Fach mit dem Aufkleber „unsolidarische Vollidioten“. Das ist übrigens gleich neben meinem Fach mit den „Wir sterben doch eh alle irgendwann mal“-Mitmenschen, die sich weiterhin in Gruppen auf den Straßen tummeln, kuschelige Corona-Partys feiern und andere Leute aus Spaß anhusten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sendet ein wichtiges Signal

Die Corona-Krise zeigt aber auch, auf wie vielen Pfeilern unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Und vor allem, welche dieser Pfeiler jahrelang schwer vernachlässigt wurden. Ohne Pflegekräfte, Kassiererinnen und so viele Berufsgruppen mehr wären wir Stand jetzt eins: im Arsch. Endlich werden sie wertgeschätzt. Doch sie brauchen mehr als ein Dankeschön der Bundeskanzlerin.

Um die Finanzkrise von 2008 zu überstehen, wurde schnell festgehalten, dass es Banken gibt, die systemrelevant sind. „Too big to fail“, also als zu groß zum Scheitern, nannten Politiker das damals. Der Staat musste einspringen, um Geldinstitute zu retten, die viel zu lange mit den Moneten umgegangen sind, als seien sie aus der Monopoly-Spielkiste.

Ein gutes Jahrzehnt später zeigt die Corona-Krise: Nicht nur Banken, sondern auch Krankenhäuser, Supermärkte und so viele mehr sind systemrelevant. Ohne sie wäre unser System längst zusammengebrochen. Dabei leben sie selbst durch den ständigen Menschenkontakt permanent mit der Gefahr, sich und ihre Lieben anzustecken – und damit für Tote zu sorgen.

Es ist höchste Zeit zum Umdenken

Es ist ganz nett, was Bundeskanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Spahn zuletzt in Richtung der Supermarktkassen geschickt haben. Schlussendlich braucht es aber vor allem eines: mehr Wertschätzung für diese Berufsgruppen, mehr Schutz und am Ende vielleicht auch eine faire Bezahlung für einen schönen Lebensabend nach der ganzen Schinderei.