Der Präsident von Ägypten hat keine erkennbare Verbindung zu Dresden. Ab dem 7. Februar wird er eine haben. Denn dann bekommt Abdel Fattah al-Sisi beim Semperopernball den Orden des Heiligen Georg angesteckt.

Das hat das Ballkomitee soeben angekündigt und damit Empörung geerntet. Was zu erwarten war: Ein goldener Orden mit Rubinen und Brillanten für einen Militärführer, der sich an die Macht geputscht hat seine Konkurrenten verhaften lässt. Echt jetzt?

Über der schönsten Nacht des Jahres weht nun ein saurer Wind. Warum will dieser Ball auf Biegen und Brechen politisch sein? Und warum so? Die Organisatoren begründen den Orden für al-Sisi mit dem Ball-Motto, das lautet: Gegen den Strom schwimmen. Man treffe Entscheidungen, die nicht jeder versteht.

Dabei lässt es sich leicht verstehen. Ein Ball braucht Promis, am besten internationale. Die sind nicht leicht zu haben. Die Königin von Schweden und der ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso haben nicht jedes Jahr Zeit. Teuer sind Promis auch: Top-Model Naomi Campbell ließ sich 2015 gegen 56 000 Euro Honorar nur für wenige Minuten auf dem Ball blicken.

Leute von Rang und Namen kommen überhaupt nur, wenn sie einen Orden bekommen. Wladimir Putin war 2009 gerne bereit, sich in Dresden auf barocke Weise huldigen zu lassen.

2017 schickte das saudische Königshaus einen Prinzen nach Dresden. Der lobte die Schönheit seines Landes, das wegen Menschenrechtsverletzungen am internationalen Pranger steht. Sachsens Minister, die dabei saßen, klatschten eifrig dazu.

So nah liegen Pomp und Blamage beieinander.

Orden für Ägyptens Staatschef Peinlich: Semperopernball zeichnet Al-Sisi aus

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