Die „Familie Brasch“ ist nicht nur durchs Kino vielen wieder näher gerückt. Es gibt auch eine interessante Neuauflage des ersten und einzigen Romans von Peter Brasch, der übrigens 1955 in Cottbus geboren wurde. Im Juni 2001 wurde er tot in seiner Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg gefunden. Eigenbrütler nennt sich der Bruder des Schriftstellers Thomas Brasch, des Schauspielers Klaus Brasch und der Rundfunkjournalistin und Autorin Marion Brasch, die für die Neuausgabe dieses Romans ein Nachwort geschrieben hat.

„Schön hausen“ erzählt von ungestillter Sehnsucht des Autors und seinem Faible für fabelhafte, komische Gestalten. Zwei platzen mitten in das Berlin der Nachwendezeit: Gianluca ist Totengräber und Glöckner in einem italienischen Dörfchen. Auf unergründliche Weise landet er mitten auf dem Alex, begleitet von einem verschwatzten und zu Alkoholexzessen neigenden Vogel. Eigentlich ist es eine Vogeldame, obwohl diese Bezeichnung wohl für Giorgina ganz und gar nicht zutreffend ist. „Vögel hört die Signale“ und „Vögel in eins nun die Krallen“ ist vom Autor zu vernehmen, der die beiden durch die Stadt schickt zu vielen seltsamen Begegnungen. Wobei er immer wieder selbst auftaucht. Dieser Mann namens Brasch, „wunschlos unglücklich“, nimmt dankbar Gianlucas Angebot an, mit ihm die Rolle zu tauschen. Mit magischem Realismus versucht Peter Brasch einer zerrinnenden Welt habhaft zu werden, Sinnhaftigkeit zurückzuerobern. In dem er in fremde Häute schlüpft, die nicht passen, setzt er sich einer Außenwelt aus, von der er sich als Peter Brasch immer weiter entfernt. Es ist die Macht der Fantasie, mit der dieser Roman, vor 20 Jahren entstanden, noch immer zutiefst berührt. Zwischen Schwermut und Gleichmut schiebt sich der Schalk, der die Vorstellung ermöglicht, alle Türen einzurennen. „Schön hausen“  in einem Haus, das Ausgänge nach Ost und West hat. Eine Fantasiereise, aber auch Selbsttherapie, wie Marion Brasch im Nachwort schreibt, die er sich verordnet habe, als er mit dem Trinken aufgehört hatte. Mit diesem klugen, aberwitzigen Buch, diesem Gianluca, der eigentlich zwei Vögel hat, einen im Kopf und den anderen auf dem Rücken, bleibt er einfach mitten unter uns.