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| 18:45 Uhr

Umfrage
Viel Zuspruch für Nutri-Score

 Auf einer Packung Joghurt ist der Nutri-Score zu sehen. 
Auf einer Packung Joghurt ist der Nutri-Score zu sehen.  FOTO: dpa / Christophe Gateau
Berlin . Umfrage: Mehrheit wünscht sich einfache und klar verständliche Angaben darüber, ob ein Lebensmittel gesund oder ungesund ist. Ministerin Klöckner lässt sich mit Entscheidung Zeit.

Auf einen Blick erkennen, wie gesund ein Lebensmittel ist – das wünscht sich eine deutliche Mehrheit von Deutschlands Verbrauchern. Laut einer Forsa-Umfrage, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, bevorzugen 69 Prozent der Befragten deshalb die in den Ampelfarben gestaltete Nährwert-Kennzeichnung Nutri-Score. Ein Alternativmodell, das auf Veranlassung des Bundesagrarministeriums entwickelte und etwas kompliziertere „Wegweiser“-System, kam nur auf 25 Prozent Zustimmung.

Wie funktioniert die Nährwert-Ampel Nutri-Score?

Bei dem in Frankreich entwickelten System erhält jedes Lebensmittel eine von fünf möglichen Farben – Rot, Gelb, Grün mit Zwischenstufen. Die Bewertungen erinnern an die EU-weit gültige Klassifizierung von Elektrogeräten und reichen von „gesundheitlich sehr günstig“ bis „gesundheitlich sehr ungünstig“. Negativ wirkt sich vor allem ein hoher Gehalt an Fett, Zucker oder Salz aus. Frankreich hat das System auf freiwilliger Basis eingeführt. Gesetzliche Vorgaben sind nur auf EU-Ebene möglich.

Was schätzen die Befragten an Nutri-Score?

Sie halten die Kennzeichnung für auffallend (90 Prozent), schnell erfassbar (87 Prozent) und leicht verständlich (78 Prozent). Anders sehen die Werte beim Konkurrenzmodell „Wegweiser Ernährung“ aus, den das Max-Rubner-Institut entwickelt hat. Die Kombination aus Sternen und Waben halten nur neun Prozent der Befragten für leicht verständlich. Allerdings schätzen die Befragten am Sterne-Waben-System, dass es genügend Informationen liefert (50 Prozent). Bei Nutri-Score sind es nur 32 Prozent.

Warum befürworten viele Experten Nutri-Score?

Professor Berthold Koletzko von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin lobt ebenso wie die Verbraucherschützer von Foodwatch, dass das System durch seine leichte Verständlichkeit die Gruppe der „Risikofamilien“ besonders gut erreicht. „Wenn Eltern einen geringen Bildungsstand haben oder übergewichtig sind, dann haben ihre Kinder ein deutlich erhöhtes Risiko, dick zu werden“, sagte er. Nutri-Score könne da wirksam helfen.

Gibt es auch Einwände?

„Statt Ampelfarben brauchen wir eine Kalorienangabe prominent auf der Verpackungsvorderseite“, fordert der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, Günter Tissen. Nur das sei für Verbraucher persönlich nachvollziehbar.

Kommt die Nährwert-Ampel bald?

Das ist ungewiss. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat eine eigene Verbraucherbefragung angekündigt, deren Ergebnis sie Ende September mitteilen will. Man wolle die vorliegenden Modelle gründlich analysieren und bewerten, teilte ein Ministeriumssprecher mit.

 Agrarministerin Julia Klöckner.
Agrarministerin Julia Klöckner. FOTO: dpa / Britta Pedersen
 Auf einer Packung Joghurt ist der Nutri-Score zu sehen. 
Auf einer Packung Joghurt ist der Nutri-Score zu sehen.  FOTO: dpa / Christophe Gateau
 Agrarministerin Julia Klöckner.
Agrarministerin Julia Klöckner. FOTO: dpa / Britta Pedersen