Seit ihrer Einführung vor zehn Jahren hat der Bund durch die Lkw-Maut rund 39 Milliarden Euro eingenommen. Bisher galt die streckenbezogene Benutzungsgebühr (Maut) nur für Autobahnen. Ab 1. Juli müssen sie Lkw-Fahrer auch auf vierspurigen Bundesstraßen entrichten.

Von der Neuregelung betroffen sind vorerst nur schwere Nutzfahrzeuge mit einem Gewicht ab zwölf Tonnen. Ab 1. Oktober wird die Maut dann auch für kleinere Lkw ab 7,5 Tonnen fällig. Bis 2018 soll sie schließlich auf alle Bundesstraßen ausgeweitet werden und Mehreinnahmen von rund 380 Millionen Euro pro Jahr in die Staatskasse spülen. Mit den Einnahmen aus der Maut-Ausweitung würden "dauerhaft und zweckgebunden zusätzliche Einnahmen in Milliardenhöhe für Verkehrswege" bereitgestellt, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Betreiber des deutschen Mautsystems ist das Berliner Unternehmen Toll Collect. Ende letzten Jahres wurde sein Betreibervertrag bis August 2018 verlängert und das Unternehmen mit der Umsetzung der Maut-Ausweitung betraut.

Lückenloses System

Das von Toll Collect entwickelte System erkennt ein festgelegtes mautpflichtiges Streckennetz und berechnet abhängig von der Schadstoffklasse und der Achszahl registrierter Fahrzeuge automatisch die anfallenden Gebühren. Bis Ende 2014 waren insgesamt 166 000 Unternehmen mit über einer Million Fahrzeugen gemeldet, von denen rund 820 000 am automatischen Verfahren teilnahmen.

Als duales System gibt es zudem eine manuelle Buchungsvariante, bei der die Gebühr über das Internet oder an Terminals entrichtet werden kann (siehe Grafik). Damit soll sichergestellt werden, dass alle Lkw-Fahrer aus dem In- und Ausland diskriminierungsfrei das mautpflichtige Straßennetz nutzen können.

Die Kontrolle erfolgt über rund 300 Mautbrücken, die das bundesdeutsche Autobahnnetz abdecken. Mit ihrer Technologie prüfen sie im fließenden Verkehr, ob die mautpflichtigen Lkw korrekt im System eingebucht sind. Liegt eine ordnungsgemäße Einbuchung vor, werden die Daten sofort gelöscht. Nur bei Mautverstößen bleiben die Daten erhalten und werden an das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) weitergeleitet, das dann ein Bußgeldverfahren einleitet. Zusätzlich ergänzt das BAG die Kontrollen mit 300 mobilen Teams, die täglich 24 Stunden im fließenden Verkehr unterwegs sind, um Maut-Sünder zu stoppen.