Die als Schlüsselfigur der Affäre geltende Ex-Referatsleiterin des Verfassungsschutzes sagte am Dienstag aus, dass die Erkenntnisse zu vermeintlichen kriminellen Netzwerken in Leipzig nicht auf den Informationen eines ehemaligen Kriminalhauptkommissars fußten. Sie seien vielmehr aus Hinweisen bei der Beobachtung osteuropäischer und italienischer organisierter Kriminalität und aus "Angaben eines V-Manns" entstanden, berichtete die 50-Jährige im Zeugenstand des Ausschusses. Zugleich stellte sie die Frage, wo das von ihr persönlich im Frühsommer 2007 an die Staatsanwaltschaft übergebene Dossier zu vermeintlichen kriminellen Netzwerken in Leipzig verblieben sei. Dieses umfangreiche Dokument mit Anlagen und Beweismitteln habe "tatsächliche Anhaltspunkte" für "Personennetzwerke" enthalten, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährdeten. Der Ausschuss war im Juli 2007 eingesetzt worden, nachdem bekanntgeworden war, dass der sächsische Verfassungsschutz eine umfangreiche Datensammlung zur organisierten Kriminalität angelegt hatte. Die darin aufgelisteten Vorwürfe reichten angeblich von Amtsmissbrauch bis Kinderprostitution und Bandenkriminalität. Sämtliche daraufhin eingeleitete Ermittlungen gegen beschuldigte Juristen stellte die Staatsanwaltschaft Dresden 2008 ein. Allerdings stellten sich nach der bisherigen Beweisaufnahme "einige Sachverhalte anders dar, als von der Staatsregierung behauptet", sagte Bartl. Er verwies darauf, dass der Untersuchungsausschuss im Unterschied zu den 2007 von der Staatsregierung zur Aufarbeitung der Affäre eingesetzten Experten eine Reihe von Mitarbeitern des für die Beobachtung der Organisierten Kriminalität zuständigen Referats des Verfassungsschutzes angehört habe. Dazu gehört auch die Ex-Referatsleiterin, deren Zeugenvernehmung vom 26. Januar am Dienstag fortgesetzt wurde. Ihren Angaben zufolge verfügte das Landesamt bereits 2006 über "intensive Erkenntnisse" zu kriminellen Rocker-Banden in Sachsen. Davor, was bereits "seit Monaten Leipzig in Atem hält", habe ihr Referat damals gewarnt. Namentlich nannte sie die Motorradgangs "Hell's Angels", "Bandidos" und "Gremium MC". Darüber habe man damals auch das Innenministerium informiert.Die Frau war seit 2003 als Referatsleiterin für die Beobachtung Organisierter Kriminalität im Landesamt für Verfassungsschutz tätig. Sie gilt als Schlüsselfigur der Sachsensumpf-Affäre. Bereits vor einem Monat hatte sie im Zeugenstand Vorwürfe bestritten, Dossiers ohne Wissen der Hausspitze angelegt und dabei Grundregeln der Geheimdienstarbeit missachtet zu haben.