Aber einen Automatismus gibt es dabei nicht. Um der niedrigen Geburtenrate auf die Sprünge zu helfen, machen sich die Wissenschaftler aber für eine Kindergrundsicherung stark.

Die Wirkungen familienpolitischer Leistungen variierten zum Beispiel nach Einkommen oder auch Bildung der Eltern und nach Kinderzahl, sagte Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Wichtig sei auch, dass Paare mit Kindern Wahlfreiheit haben müssten zwischen Infrastrukturmaßnahmen, Geldzuwendungen und Zeitbudgets. Ohnehin zeigten familienpolitische Maßnahmen in der Regel keine kurzfristigen, sondern eher langzeitige Wirkungen.

Statistisch betrachtet bringt eine Frau nur noch etwa 1,4 Kinder zur Welt. Ähnlich niedrige Geburtenraten weisen auch die Schweiz und Österreich auf. Für den Soziologen Hans Bertram von der Berliner Humboldt-Universität ist dies kein Zufall. Alle drei Länder hätten ein "konservatives Wohlfahrtsstaat-Modell" und seien politisch föderal organisiert. "Das bedeutet auch, dass auf soziale und ökonomische Entwicklungen langsamer und später reagiert wird als in anderen Gesellschaften", erklärte Bertram. Zu den Experten-Empfehlungen zählt deshalb eine Kindergrundsicherung, welche "nicht mehr dem Lebenslauf der Menschen" entsprechende familienpolitische Maßnahmen zunehmend ersetzen soll.

Über eine Kindergrundsicherung wird schon länger diskutiert. Bereits 2009 hatten mehrere Sozialverbände eine Pauschale von monatlich 500 Euro für jedes Kind vorgeschlagen. Der Betrag soll alle kindbezogenen Leistungen vom Kindergeld bis zum Kinderfreibetrag, aber auch das Ehegattensplitting ersetzen. "Wir stellen uns ein Gesamtpaket vor, aus dem Paare sich nach individuellen und regionalen Bedürfnissen Teile heraussuchen können", sagte BBAW-Präsident Günter Stock.