Mit dem milderen Wetter hat das nur indirekt zu tun.

Dem Naturschutzbund Nabu zufolge leben in Deutschland mehr als 6000 Brutpaare. Ein Großteil der Störche brütet demnach in Brandenburg. Auch in der Lausitz sind schon Tiere im Winter beobachtet worden (siehe Infobox). Nabu-Storchenexperte Kai-Michael Thomsen sagt: "Vor allem in Westdeutschland geht der Trend dahin." Die Tendenz nehme auch dadurch zu, dass Menschen sie häufig mit Futter versorgten oder dass der Winter einigermaßen mild sei, sodass sie Futter finden.

Hauptgrund sind nach Angaben des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Bayern aber Zuchtprogramme in den 1950er- und 1960er-Jahren in der Schweiz, dem Elsass und Baden-Württemberg. Man habe die Zuchtvögel eingesperrt und so am Wegfliegen gehindert. Dieses Verhalten hätten die Tiere nach ihrer Freilassung an ihre Nachkommen weitergegeben.

Nabu-Experte Thomsen: "Es ist nicht so, dass die Störche erkennen: Hier ist es mild, wir bleiben hier. Sie bleiben aus anderen Gründen hier und stellen dann fest: Es funktioniert." Wenn sie auch hierzulande Futter fänden, sparten sie sich den kräftezehrenden Weg nach Afrika. So mancher Storch ziehe alternativ auch nur bis nach Spanien, Portugal oder Frankreich.

Wie viele Störche heimische Gefilde vorziehen, ist unklar. Der LBV hat in Bayern mehr als 200 Vögel erfasst, die lieber bleiben. Vor 14 Jahren seien es nur etwa 50 Störche gewesen, sagte die LBV-Storchenexpertin Oda Wieding.

Zum Thema:
In Grünewald bei Ruhland (Oberspreewald-Lausitz), nahe der sächsischen Landesgrenze, hat sich Ende November ein Storch aufgehalten (die RUNDSCHAU berichtete). Ungewöhnlich fand der Storchensachverständige Werner Blaschke bei diesem Tier die rote Beringung. Diese werde nur von Ziergeflügel-Züchtern verwendet. ab/red