Im Regierungsbezirk Leipzig haben mittlerweile alle der verpflichteten 77 Gemeinden entsprechende Satzungen verabschiedet. In der Region Dresden gibt es noch zehn säumige Kommunen, in Chemnitz 13. Der Freistaat unterstützt die Wasserwehren, zu deren Einrichtung hochwassergefährdete Kommunen bereits mit der Novelle des sächsischen Wassergesetzes 1993 verpflichtet wurden, allerdings kaum. Lediglich die Ausbildung der Freiwilligen werde übernommen, die technische Ausrüstung müssen die Kommunen hingegen selber stellen.

Taschenlampen und Funkgeräte
„Das bezahlen wir aus unserem allgemeinen Katastrophenschutz-Budget“ , sagte Frank Ramczyk von der Gemeindeverwaltung Bennewitz an der Mulde. 24 Freiwillige habe man rekrutieren können, die jetzt die Wasserwehr der vier zur Gemeinde gehörenden Orte stellen. Damit sei man recht zufrieden, angesichts der Zahl der Haushalte, die 2002 vom Hochwasser betroffen waren, seien es aber ziemlich wenige, sagte Ramczyk. Die Wasserwehr sei in Bennewitz eigenständig organisiert, sie erhalte lediglich Unterstützung von der freiwilligen Feuerwehr.
Im Ernstfall, und der trete ab Hochwasserwarnstufe drei ein, sollen die Männer dann rund um die Uhr die 15 Kilometer lange Deichlinie der Gemeinde kontrollieren. Ausgerüstet seien sie mit Taschenlampen und Funkgeräten, hinzu komme noch die entsprechende Schutzkleidung. „Da sind schnell 1000 Euro pro Mann zusammen“ , rechnete Ramczyk vor.
Die angrenzende Stadt Grimma, ebenfalls 2002 vom Hochwasser schwer getroffen, hat hingegen keine Wasserwehr.

Vorgegaukelte Sicherheit
Keine Deiche - keine Deichläufer, so lasse sich die Situation beschreiben, sagte Ordnungsamtschefin Gudrun Zeleny. Die Stadt sei mehr oder weniger ungeschützt, am Konzept für die seit Jahren geplante Schutzmauer werde gearbeitet, die Versuche an der Technischen Universität Dresden liefen noch. Dort werden an einem 1100 Quadratmeter großen Stadtmodell Hochwasserszenarien durchgespielt.
Skeptisch äußert sich Doris Eberhardt, Hochwasserexpertin beim Umweltverband BUND, über das sächsische Modell der Wasserwehren. Im Ernstfall seien diese Leute sicherlich hilfreich. Aber ebenso wie Deichanlagen könne so auch eine Sicherheit vorgegaukelt werden, die gar nicht da sei, sagte sie. Hochwasser lasse sich nie vermeiden und technisch auch nie hundertprozentig eindämmen. Wichtiger sei eine langfristige Strategie mit ausreichend Flutflächen für die Flüsse, um dem Wasser den Druck zu nehmen. Eine Renaturierung der Flussräume sei der wirksamste Hochwasserschutz.