Das ist der achte Platz in Europa. "Wir können nicht davon reden, dass wir in Deutschland eine überschäumende Lohnentwicklung hatten", resümierte am Montag Instituts-Chef Gustav Horn in Berlin.

Was sind Arbeitskosten?
Zu den Arbeitskosten zählen der Bruttolohn, der Arbeitgeberanteil an den Sozialbeiträgen, Aufwendungen des Arbeitgebers für Aus- und Weiterbildung sowie bestimmte Steuern. Nach einem starken Anstieg in den Jahren 2011 und 2012 habe sich die Entwicklung seit 2013 wieder "deutlich verlangsamt", so Horn. Der Experte warnte davor, sich auf möglichst niedrige Arbeitskosten zu fixieren. Denn eine stärkere Lohnentwicklung und Binnennachfrage könne die Konjunktur stützen.

Wo liegt Deutschland im europä ischen Vergleich?
Auf Platz acht, also im Mittelfeld. Höhere Arbeitskosten haben die Handelspartner Dänemark, Belgien, Schweden, Frankreich, Luxemburg, Niederlande und Finnland, wo zwischen 41,40 Euro und 32,40 Euro pro Stunde ausgegeben werden. Der Durchschnitt des Euroraums liegt bei 29 Euro. In Tschechien, Ungarn und Polen betragen die Stundenwerte zwischen 9,90 Euro und 7,80 Euro. Schlusslichter sind Rumänien und Bulgarien mit Arbeitskosten von 4,50 Euro und 3,70 Euro pro Stunde.

Wie ist die Lage in den europä ischen Krisenländern?
Die Arbeitskosten reichen von 28,20 Euro in Irland über 27,20 Euro in Italien, 21 Euro in Spanien, 14,50 Euro in Griechenland bis 12,80 in Portugal. Horn sprach von einem "Brachialkurs" auf der Lohnseite in diesen Ländern. Der habe nicht zu einer nachhaltigen Überwindung der Krise geführt.

Gibt es in Deutschland Unterschiede zwischen dem Industrie- und dem Dienstleistungssektor?
Eindeutig ja. Laut Experten gibt es eine große Kluft zwischen beiden Sektoren - 36,20 Euro pro Stunde in der Industrie gegenüber 28,70 Euro bei den Dienstleistern. In vielen anderen Ländern sei der Verdienst hier deutlich höher als in Deutschland. Auch im öffentlichen Dienst sei die Entlohnung vergleichsweise "bescheiden".

Was empfehlen die Forscher?
Deutschland habe Nachholbedarf bei der Lohnentwicklung, so Horn. Denn die wirtschaftliche Schwäche vieler Euroländer schade derzeit der exportorientierten deutschen Konjunktur. Deshalb empfehlen die Experten Lohnsteigerungen um deutlich mehr als drei Prozent. Der ab kommendem Jahr geltende Mindestlohn von 8,50 Euro sei zudem ein wichtiger Schritt, um die Lohnentwicklung vor allem im Dienstleistungsbereich zu unterstützen.