Frau Knopik, wie ist es um die Klosterlandschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bestellt?
Es gibt in Mitteldeutschland schätzungsweise 400 mittelalterliche Klosterstandorte. Das ist eine sehr große Dichte. Im Mittelalter haben die Klöster als Bildungs- und Wirtschaftszentren eine sehr große gesellschaftliche Rolle gespielt. Heute sind allerdings die wenigsten durch eine Glaubensgemeinschaft belebt. Das ursprüngliche Leben und Arbeiten in Konventen gibt es nur noch in höchstens 20 Klöstern.

Wie werden die Klöster heute genutzt?
Das ist höchst unterschiedlich. Es gibt eine extrem große Vielfalt an Angeboten. Unser Kloster in Memleben (Burgenlandkreis) wird beispielsweise als Museum genutzt, das Augustinerkloster in Erfurt dient als Bildungs- und Tagungsstätte, und die Schwestern im Kloster St. Marienstern in der Oberlausitz bieten unter anderem Fastenkurse an. Es gibt auch etliche Klöster, die als Baudenkmäler gepflegt werden. Unser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Klöster und ihre heutige Nutzung zu erfassen, um die Angebote vernetzen und besser vermitteln zu können.

Wieso ist das Interesse am Klosterleben so groß?
Der spirituelle Tourismus ist im Kommen. Das Interesse am Klosterleben wächst stetig. In unserer schnelllebigen Gesellschaft suchen die Menschen zunehmend Orte der Ruhe, Orte der Stille. Selbst ungenutzte Anlagen mit Krypten werden für Gebete und zur inneren Besinnung aufgesucht. Angebote wie Einkehrseminare sind mehr und mehr gefragt. Diesen Trend greifen jetzt auch Reiseveranstalter verstärkt auf. Vor allem bei geschichts- und religionsinteressierten Touristen stehen Klöster hoch im Kurs.

Mit Andrea Knopik

sprach Annett Gehler, dpa