ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:06 Uhr

Mehr Hinweise als Vermisste

Eine thailändische Helferin sortiert Ausweise von europäischen Touristen, die aus einem zerstörten Hotel stammen.
Eine thailändische Helferin sortiert Ausweise von europäischen Touristen, die aus einem zerstörten Hotel stammen. FOTO: Foto: dpa
Die Zahl der offiziell bestätigten Opfer der Flutkatastrophe steigt immer weiter. Unklar ist auch weiterhin, wie viele deutsche Urlauber dem Tsunami zum Opfer fielen. Spekulationen, wonach in Südostasien 3200 Deutsche vermisst würden, wurden indes zurückgewiesen. Von Hagen Strauß

Aus Sorge um die hoffenden Angehörigen war der Ärger in der Bundesregierung gestern groß: „Unverantwortlich“ nannte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg einen Bericht der Tageszeitung Die Welt, wonach nicht näher genannte „Sicherheitskreise“ von 3200 vermissten Deutschen im asiatischen Katastrophengebiet ausgehen würden. Der zuständige Staatssekretär im Auswärtigen Amt und stellvertretende Leiter des Krisenstabes, Klaus Scharioth, rückte die Meldung ebenso zurecht: Die Bundesregierung äußere sich „nur auf Grundlage von belastbaren und erhärteten Zahlen“ . Demnach werden nach dem Seebeben weiter „sehr deutlich“ über 1000 Menschen aus der Bundesrepublik vermisst. Bisher wurden 60 tote Deutsche identifiziert, 46 in Thailand und 14 in Sri Lanka. Hinzu kommen rund 300 Verletzte.

Hinweise nicht gleich Vermisste
Eines steht fest: Die Zahl der Hinweise liegt klar über der der Vermissten. Gründe dafür sind Mehrfachnennungen, falsche Schreibweisen von Namen und nicht gemeldete Rückführungen, wie Scharioth erklärte. Hinweis- und Vermisstenzahl dürften nicht gleichgesetzt werden, warnte der Staatssekretär. Derweil ist der Abtransport der rund 7000 deutschen Touristen aus der Region weit gehend abgeschlossen, teilte die Bundesregierung mit. Die quälende Ungewissheit über das Schicksal von Freunden und Verwandten wird jedoch noch anhalten. Während Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) die Entsendung von zwölf zusätzlichen Fachleuten in das Katastrophengebiet zur Identifizierung von Opfern angeordnet hat - bislang arbeiten 32 deutsche Experten in Thailand und fünf in Sri Lanka - will das Bundeskabinett morgen in einer Sondersitzung über das weitere Vorgehen beraten. Laut R egierungssprecher Steg soll auch besprochen werden, inwieweit die finanzielle Hilfe für die betroffenen Länder aufgestockt werden kann. Vergangene Woche war eine Soforthilfe in Höhe von 20 Millionen Euro bewilligt worden. An der Geberkonferenz für das Katastrophengebiet am Donnerstag in der indonesischen Hauptstadt Jakarta nimmt die Bundesregierung aber nicht teil. Eingeladen sei die Europäische Union. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wird allerdings Ende der Woche in die Krisenregion reisen. Konkretisieren will Gerhard Schröder im Kabinett den Vorschlag der Patenschaften mit betroffenen Regionen, den er in seiner Neujahrsansprache formuliert hatte. Die Bereitschaft der Länder, Kommunen und Gemeinden sei in Deutschland groß, so Steg.
Außerdem beraten Kanzler und Minister morgen über eine nationale Trauerfeier zum Gedenken an die Opfer. Eine Entscheidung sei zwar „sicherlich verfrüht“ , meinte der Sprecher. Derzeit müsse man noch alle Anstrengungen darauf richten, die Opfer zu identifizieren und auszufliegen sowie Hilfe zu leisten. „Die Bundesregierung ist aber mit dem Bundespräsidenten in enger Abstimmung“ , erkläuterte Steg. In welchem Rahmen eine Trauerfeier stattfinden könnte, werde sich zeigen. Angeregt hatten dies die Parteichefs von SPD und CDU, Franz Müntefering und Angela Merkel.