Zwei Jahre danach kommt eine Studie wieder zum Ergebnis, dass Jungs in der Mark immer noch häufiger als Mädchen die Schulen ohne Abschluss verlassen, auf Förderschulen gehen oder schon bei der Einschulung zurückgestellt werden (die RUNDSCHAU berichtete). Prompt gibt es in der SPD/CDU-Regierungskoalition darüber offenen Streit. Der CDU-Bildungsexperte Ingo Senftleben warf am Freitag Rupprecht Untätigkeit nach den damaligen Ankündigungen vor. "Das SPD-geführte Bildungsministerium hat zum Nachteil der Jungen nicht reagiert", erklärte Senftleben. Rupprecht und die SPD wiesen die Vorwürfe zurück. Dies sei eine "Unverschämtheit", sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Man habe gerade in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage - von Senftleben selbst - über eingeleitete Schritte informiert, etwa bei der Ausbildung und Fortbildung von Lehrern oder von 18 Kita-Erziehern in einem Lausitzer Modellprojekt, das auf andere Regionen ausgeweitet würde. "Aber die Lesekompetenz von Herrn Senftleben lässt offenbar wegen des Wahlkampfes neuerdings zu wünschen übrig", so Breiding. Brandenburg hat mit dem Jungen-Bericht als erstes Bundesland überhaupt das Problem offen angepackt. Und die SPD-Bildungsexpertin Klara Geywitz sagte: "Das Problem ist erkannt. Wer seriös Bildungspolitik macht, weiß: Man kann es nicht über Nacht lösen." Von der plakativen Forderung der Union, an jeder Schule einen Jungenbeauftragten einzurichten, halten SPD, Linke und Bildungsministerium jedenfalls nichts. Wichtiger sei, so Geywitz, dass Brandenburg seine Anstrengungen verstärkt habe, Erzieher für Kitas und Grundschulen zu gewinnen. "Die Jungs brauchen männliche Vorbilder."