Vom "Malocher-Bonus" ist keine Rede mehr. Dafür billigte die Regierung zeitgleich eine "Initiative 50plus", von der alle älteren Erwerbsfähigen profitieren sollen. Denn das ist das Problem: Gerade einmal 45 Prozent der über 55-Jährigen haben heute noch einen Job. In Ländern wie Norwegen und Schweden sind es dagegen rund 66 Prozent.
Durch eine langfristig spätere Rente könnten sich die Chancen der Älteren auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch weiter verschlechtern. Müntefering will dieser Entwicklung mit einem Bündel aus Integrations- und Fördermaßnahmen vorbeugen. Kritiker sprechen allerdings von altem Wein in neuen Schläuchen. Im Arbeitsministerium räumt man auch freimütig ein, dass es sich um bereits existierende Instrumente handelt, die lediglich "zusammengefasst und in ihren Wirkungen aufeinander abgestimmt" werden. Das Ziel besteht darin, die Erwerbsquote der über 55-Jährigen entsprechend den EU-Vorgaben bis 2010 auf 50 Prozent anzuheben. Dazu werden die Maßnahmen zum Teil auch neu strukturiert.
Das gilt etwa für den Kombilohn :
Dadurch sollen ältere Arbeitslose schneller eine Beschäftigung finden, auch wenn es sich um einen geringer bezahlten Job handelt. Bislang richtete sich die Förderdauer nach dem Restanspruch beim Arbeitslosengeld I. Künftig gilt eine generelle Förderdauer von zwei Jahren. Hat jemand früher zum Beispiel 2000 Euro verdient und nimmt eine Arbeit an, die mit 1500 Euro vergütet wird, legt der Staat im ersten Jahr 250 Euro pro Monat drauf. Im zweiten Jahr wird die Differenz statt zu 50 noch zu 30 Prozent ausgeglichen. In unserem Beispiel wären das monatlich 150 Euro.
Im Rahmen von Eingliederungszuschüssen soll es für Arbeitgeber attraktiver werden, einen älteren Arbeitslosen zu beschäftigen. Bislang fielen darunter Betroffene mit Vermittlungshemmnissen wie etwa einer Behinderung. Künftig gilt die Regelung für alle Personen ab 50 Jahren. Gleichzeitig werden die Förderkonditionen verbessert. Dazu muss das Beschäftigungsverhältnis allerdings mindestens ein Jahr andauern.
Auch die befristete Beschäftigung wird neu gestaltet. Bislang war eine Befristung des Arbeitsverhältnisses ohne sachlichen Grund bei Arbeitnehmern ab 52 Jahren einschränkungslos möglich. Künftig muss der Betroffene dazu mindestens vier Monate arbeitslos gewesen sein oder an einer öffentlich geförderten Beschäftigungsmaßnahme teilgenommen haben.
Schließlich soll die Weiterbildungsförderung verbessert werden. Bisher werden nur Betriebe mit bis zu 100 Beschäftigten gefördert, wenn sie Arbeitnehmer über 50 qualifizieren. Diese Grenze wird auf 250 Beschäftigte erweitert. Gleichzeitig sollen Arbeitnehmer schon im Alter ab 45 davon profitieren. Die Gesetzesänderungen werden noch im Dezember im Bundestag beraten. Ihre Verabschiedung ist für Anfang 2007 geplant.