Die Lage ist angespannt, aber die Zahlen sehen erstmal nicht so schlecht aus. 5,6 Millionen Gäste kamen seit Jahresanfang nach Sachsen.

Rund 14,3 Millionen Übernachtungen verzeichnen Sachsens Touristiker. In dem Jahr, in dem die Pegida-Demonstrationen einen Schatten auf das Image des Landes und der Landeshauptstadt werfen, ist der gefürchtete Einbruch der Gästezahlen somit ausgeblieben. "Aktuellen Schlagzeilen zum Trotz liegt der sächsische Tourismus auf Vorjahreskurs", betonte Manfred Böhme, Direktor des Landestourismusverbands, gestern in Dresden. Das Minus im Vergleich zu 2014 hält sich mit 0,2 Prozent bei den Übernachtungen in Grenzen.

Laut Tourismusverband kamen sogar mehr Gäste aus dem Ausland - obwohl zeitweise die USA und Kanada Reisewarnungen für Dresden ausgegeben hatten - wegen des fremdenfeindlichen Klimas rund um die Montagsmärsche der Islamhasser. Gewirkt haben diese Eindrücke wohl doch eher im Inland. Deutsche Gäste machten sich seltener auf den Weg nach Sachsen.

Was den Touristikern indes zu schaffen macht, ist die Angst vor Terrorangriffen. Die könnte sich noch stärker auswirken als der Imageschaden durch Pegida, meint Böhme. Zumal die bevorstehende Vorweihnachtszeit durchaus als Hauptsaison gilt - ein großer Teil der 7,4 Millionen Euro Jahresumsatz kommt gerade dann rein. Sachsen vermarktet sich bundesweit als Weihnachtsland Nummer eins. Traditionen und Bräuche würden hier in einer in Deutschland einmaligen Dichte gelebt - so heißt es auch in einer groß angelegten Werbekampagne des Freistaats.

Als Heimat von Dresdner Christstollen, Pulsnitzer Pfefferkuchen, Herrnhuter Sternen und erzgebirgischen Holzwaren zieht das Land gerade im Winter viele Gäste an, die es heimelig mögen.

Dass die nun wegbleiben, weil überall von möglichen Terroranschlägen auf Weihnachtsmärkten gesprochen wird, ist eine reale Sorge für den Tourismus. Die Branche hält mit Optimismus dagegen. "Die Menschen werden auch weiterhin auf Weihnachtsmärkte gehen", ist Manfred Böhme überzeugt.

Für die Zukunft setzt der Branchenverband auf die Chancen der Online-Werbung. Immer mehr Gäste, so Böhme, suchten sich ihr Urlaubsziel im Netz. Und orientieren sich dabei an Online-Bewertungen. Hier sollen die sächsischen Gastgeber stärker werden.

In den vergangenen zwei Jahren wurden Ziele im Reiseland Sachsen fast eine halbe Million Mal in Online-Foren bewertet. Dort aber bewegen sich die Gastgeber zu selten. Nur jede vierte Bewertung dieser Art wurde beantwortet. Zu wenig, sagt der Dachverband, der an die 200 000 Beschäftigte vertritt. Er will Anbieter dazu motivieren, Onlinebewertungen als Chance zu begreifen, mehr Kunden anzuziehen und überhaupt besser zu werden. Helfen soll nun ein brancheninterner Wettbewerb: Sachsen sucht den "Gästeliebling 2016". Teilnehmen können Herbergen vom Luxushotel mit fünf Sternen bis zur kleinen Familienpension.

Zum Thema:
Das Land Brandenburg bleibt bei Touristen beliebt, teilte das Amt für Statistik jüngst mit. In der Zeit von Januar bis September 2015 kamen insgesamt 3,7 Millionen Touristen in das Land, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 6,6 Prozent. Die Gäste bescherten den Hoteliers etwa 10,1 Millionen Übernachtungen. Das größte Wachstum verbuchte das Havelland mit 352 600 Gästen, das ist eine Steigerung von 21,9 Prozent.