Im Siedlungsgebiet der Sorben sind alle Orte und Sehenswürdigkeiten zweisprachig beschildert. Gerade in der Osterzeit strömen Gäste aus nah und fern in die Region, die für ihre filigran gestalteten Ostereier weit über die Grenzen Sachsens und Brandenburgs hinaus bekannt ist.

Auf den Ansturm ist das Sorbische Kulturzentrum in Schleife – sorbisch Slepo – eingestellt. Bereits seit Monatsbeginn werden in einer Sonderausstellung 600 Eier aus 45 Ländern gezeigt. Im Mittelpunkt der Schau stehen traditionelle Ostereier – die sorbisch jutrowne jejka heißen – aus der Lausitz. Sie werden in Wachsbatik-, Wachsbossier-, Kratz- und inzwischen seltener in Ätztechnik gestaltet.

Stundenlange Arbeit

„Die Herstellung eines ausgeblasenen oder gekochten Eies dauert nicht selten viele Stunden“, erläutert Ute Schmiedel. Sie selbst verziert nach eigenen Angaben in Wachstechnik pro Jahr 200 bis 250 Hühnereier. Häufig sind mehr als zehn Arbeitsgänge nötig, bis alle Farbschichten und Muster aufgebracht sind.

Rund 30 Frauen und Männer bieten zum traditionellen Oster eiermarkt am 29. März in Schleife (Kreis Görlitz) ihre Kostbarkeiten zum Kauf an. Von dem Handwerk leben könnten die Sorben aber nicht, betont Schmiedel. Stattdessen sei die Gestaltung der Ostereier ein Hobby, „reine Liebhaberei“. Die Eiergestaltung übernähmen in der Lausitz Frauen und Männer gleichermaßen, sagt die Leiterin des Kulturzentrums, Sylvia Panoscha. Kinder beginnen damit im Alter von etwa sechs Jahren.

Doch viele Sorben definieren sich nicht ausschließlich über das Osterfest, bei dem sie alljährlich für kurze Zeit ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. „Wir wollen mit den typischen Klischees über die Sorben aufräumen und kulturbegeisterte Gäste aus ganz Deutschland für unsere Region interessieren“, sagt Wolfgang Kotissek vom Verein Sorbischer Kulturtourismus. Die Sorben seien mehr als Frauen in Trachten, Osterreiter und hübsch verzierte Ostereier. Gäste könnten das ganze Jahr über authentische Folklore erleben. Kitschige Aufführungen nur für Touristen gebe es in der Lausitz nicht.

Der Verein achtet auf die korrekte Darstellung der sorbischen Bräuche. Insbesondere die Kahnfahrer im Spreewald erzählten ihren Gästen mitunter noch „abenteuerliche Geschichten“, sagt Kotissek. Wert legt der Verein auf eine lückenlose zweisprachige Ausschilderung. Von den 60 000 Sorben verwendeten noch rund 15 000 die sorbische Sprache im Alltag. Rund um Schleife gibt es den Angaben zufolge noch etwa 40 meist ältere Frauen, die nahezu täglich Tracht tragen.

Vier Folkloreregionen

Die Sorben siedelten im 6. Jahrhundert zwischen Ostsee und Erz- sowie Fichtelgebirge und zwischen den Flüssen Elbe, Oder, Neiße. Heute gibt es von Bautzen bis zum Spreewald vier Folkloreregionen mit eigenen Trachten und Bräuchen. So ist das Osterreiten nur bei den katholischen Sorben rund um Bautzen verbreitet. In Halbendorf bei Schleife holen junge Mädchen dagegen Osterwasser aus den Quellen von Bächen.