Einmal pro Woche bekommen sie besonderen Besuch von der anderen Seite der Oder. Der polnische Pfarrer Jerzy Basaj kümmert sich um die mutmaßlichen polnischen Straftäter. Es geht um ihre Taten und um ihre Einsamkeit - aber auch um ganz alltägliche Dinge.
"So ein Spiel habe ich lange nicht gesehen, da konnte man endlich mal wieder richtig stolz sein auf eine polnische Mannschaft", erzählt der Geistliche, der an seinem schwarzen Hemd mit der weißen Hals-Manschette leicht zu erkennen ist. Der blonde Junge, der ihm am Tisch gegenüber sitzt, hört interessiert zu. Er hat das Fußballspiel des Krakauer Teams gegen Schalke nicht gesehen. Er hat keinen Fernseher auf der Zelle. Da ist er angewiesen auf die Informationen, die ihm der Pfarrer allwöchentlich aus der Heimat liefert.

Besuch des Pfarrers ist beliebt
Die polnischen Häftlinge genießen die Mittwochnachmittage. Der Besuch des Pfarrers ist an diesen fest programmiert. Für die Gefängnis-Insassen bedeutet es, endlich einmal ausführlich mit jemandem reden zu können. "Sie verzichten auf ihren Hofgang, wenn sie sich mit mir treffen", berichtet der polnische Kaplan, der in der Kirchengemeinde der Grenzstadt Slubice auf der anderen Oderseite von Frankfurt arbeitet. Ihre Zellen teilen sie zwar mit anderen Polen, aber mit jemandem von "draußen" kommen sie sonst nicht ins Gespräch.
Das Modell hat Seltenheitswert. Pfarrer Jerzy aus Slubice ist der einzige polnische Pfarrer, der in einem brandenburgischen Gefängnis seine Lands leute seelsorgerisch betreut. Seit 1996 kooperiert die Justizvollzugsanstalt Frankfurt mit der polnischen Kirche in Slubice. Anlass war für Anstaltsleiter Wilfried Stehr der hohe Anteil polnischer Häftlinge in seinen Zellen.
"Zwar hat jeder Häftling das Recht, an Gottesdiensten anderer Pfarrer und anderer Konfessionen teilzunehmen, aber bei einer polnischen Betreuung ist die Sprachbarriere genommen." Da rund 80 Prozent der ausländischen Untersuchungsgefangenen in der deutschen Grenzstadt aus Polen sind, gibt es noch weitere Angebote für sie. Regelmäßig trifft sich auch eine polnisch sprechende Psychologin zu Gesprächen mit den Insassen.
Die Treffen mit Pfarrer Jerzy finden in einem kleinen, karg ausgestatteten Raum statt. "Sakristei" steht außen an der Tür. Innen weist höchstens ein Wandbehang mit Motiven aus der Bibel und ein kleines Kruzifix hoch oben auf einem Regal auf den kirchlichen Hintergrund des Raumes hin. Bei den Treffen dreht es sich keineswegs nur um Beten, Bibelsprüche oder Beichten. "Wir sprechen über die Gestaltung des menschlichen Lebens, über den Alltag in der Haft und draußen", berichtet Pfarrer Jerzy.

Gebeichtet hat noch keiner
Gebeichtet habe bei ihm noch keiner. "Sie fürchten sich ein wenig davor, denn beichten bedeutet, dass man hinterher ein wenig an sich arbeitet." Manchmal bringt er einen Videofilm mit, den sie gemeinsam ansehen, manchmal auch ein paar Kreuzworträtsel, die seinen Schützlingen die Zeit bis zur nächsten Visite verkürzen. Einmal im Monat steht der Kirchen-Mann mit großem Gepäck vor der Eingangsschleuse des Gefängnisses. Dann hat er Oblaten und Wein und alles weitere Zubehör dabei - für eine Eucharistiefeier mit den Untersuchungshäftlingen.
Zu besonderen Gelegenheiten wie zu Weihnachten hält er auch Messen in der Gefängnisturnhalle. Richtig mit den polnischen Häftlingen arbeiten könne er nicht, gibt Pfarrer Jerzy zu. "Dafür ist die Zeit zu kurz", verweist er auf die eine Stunde pro Woche. Alle paar Monate sitzen ihm neue Gesichter gegenüber.