Auch bisher war die Elbe eine Millionen-Baustelle: In den Jahren 2003 bis 2005 investierte Tschechien unter anderem in die Sanierung von Deichen und des Hochwasserüberlaufs an der Talsperre Nechranice knapp 12,2 Millionen Euro. In Deutschland wurden Deiche auf 241 Kilometer Länge für reichlich 228 Millionen Euro ertüchtigt. „Der Hochwasserschutz ist besser geworden“ , sagte Kommissionspräsident Frantisek Pojer.
Als Beleg wurden unter anderem kürzere Vorwarnzeiten und ein besseres Hochwassermanagement bei den Talsperren genannt. Am Pegel Usti nad Labem konnte der Prognosezeitraum von 24 auf 48 Stunden erweitert werden, am Dresdner Pegel sogar von 36 auf 60 Stunden. „Ich denke, dass wir aus 2002 auf beiden Seiten der Grenze gelernt haben“ , sagte der Leiter der deutschen IKSE-Delegation, Fritz Holzwarth, und erinnerte an die Jahrhundertflut vor vier Jahren. Wegen besserer Vorwarnung würden die Schäden eines neuerlichen Hochwassers bedeutend geringer ausfallen.
Die 1094 Kilometer lange Elbe hat ein Einzugsgebiet von rund 148 000 Quadratkilometern, in dem 24,5 Millionen Menschen leben. Die IKSE entstand 1990 in Magdeburg und hat dort ihren Sitz. Vertragsparteien sind die Tschechische Republik und Deutschland. Die Kommission gibt über Arbeitsgruppen Empfehlungen an beide Länder. In ihnen arbeiten auch Experten aus Polen, Österreich und von der EU mit.
Bei der Prüfung einer Elbe-Staustufe in Nordböhmen will sich Deutschland beteiligen. Die Auswirkung des Bauwerkes sei grenzüberschreitend, deshalb müsse die Umweltverträglichkeit auch mit deutscher Beteiligung geprüft werden, sagte Fritz Holzwarth gestern. Der Bau der umstrittenen Staustufe scheint indes noch keine beschlossene Sache. Nach Angaben des Prager Umweltministeriums dürfe Ergebnissen einer Prüfung nicht vorgegriffen werden. Eventuell noch in diesem Jahr würden Untersuchungen auf dem betroffenen Gelände beginnen, sagte der stellvertretende tschechische Umweltminister Frantisek Pojer. Er leitet zugleich auf Seiten Tschechiens die IKSE.
In der Vorwoche hatten Umweltschützer Aufklärung darüber verlangt, ob im Zusammenhang mit der Staustufe die Elbe auf deutscher Seite ausgebaut werde. Sie halten es für unmöglich, die Elbe 345 Tage im Jahr - die eisfreie Zeit - für den Güterverkehr schiffbar zu halten. Ein Ausbau der Elbe sei nicht geplant, teilte das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage mit. Es gehe lediglich um Instandhaltungsmaßnahmen.
Nach Aussagen von Holzwarth hatte sich Deutschland bereits früher verpflichtet, eine Ladetiefe von 1,40 Meter auf deutscher Seite zu garantieren. Das entspricht einer Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter. Holzwarth sprach von reinen Rechengrößen. Eine Vertiefung der Fahrrinne sei technisch nur schwer zu erfüllen, sagte er mit Blick auf Befürchtungen der Umweltschützer.
(dpa/cd)