Auch in diesem Jahr lässt Justitia Gnade walten: Dank der Weihnachtsamnestie können mehr als 80 Häftlinge vor Weihnachten die Gefängnisse als freie Bürger verlassen. Vorausgesetzt, sie wären laut dem Justizministerium eh zwischen dem 4. November 2011 und dem 10. Januar 2012 regulär entlassen worden. Damit können noch weitere Strafgefangene auf ein Fest in Freiheit hoffen. "Es sind noch nicht alle Verfahren abgeschlossen", sagte Ministeriumssprecher Frank Schauka.

Weniger Häftlinge hinter Gitter

Jeder Einzelfall müsse geprüft werden. Rein zahlenmäßig werden in diesem Jahr jedoch weniger Häftlinge von der Amnestie profitieren als 2010. Nicht zuletzt liegt das aber auch an den Gefangenenzahlen. Saßen Ende November vergangenen Jahres rund 1540 Menschen in den sechs Vollzugsanstalten des Landes ein, waren es in diesem Jahr zum gleichen Zeitpunkt rund 1365.

Im Rahmen der Amnestie wurden 2010 laut dem Ministerium 111 Häftlinge frühzeitig entlassen. Bundesweit ermächtigen fast alle Justizminister die Staatsanwaltschaften in ihrem Land zur Amnestie, die im Amtsdeutsch Weihnachtsgnadenerweis heißt. So können sich im benachbarten Berlin laut Justizverwaltung bislang knapp 300 Gefangene über eine frühzeitige Entlassung freuen. Im vergangenen Jahr waren es 345.

Auch in der Hauptstadt seien die Gefangenenzahlen deutlich zurückgegangen, sodass dies ein Grund für die niedrigere Anzahl sein könnte. Aus anderen Ländern liegen teilweise noch keine aktuellen Angaben vor. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr kamen beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 30 Häftlinge früher auf freien Fuß, in Thüringen waren es rund 20 und in Nordrhein-Westfalen fast 1000.

Brandenburgs Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) sieht in dem Vorgehen nicht nur einen Gnadenakt. "Die Feier im Kreise der Liebsten tut den Entlassenen gut und hilft ihnen, nach der Haft im Leben wieder Tritt zu fassen", sagte er.

Doch nicht jeder Straftäter, dessen regulärer Entlassungstermin näher rückt, darf auf den Gnadenakt hoffen: Ohne gute Führung hinter Gittern wird es nichts mit dem ersehnten Adventsspaziergang außerhalb der Mauern. Indiskutabel ist der Gnadenakt für Verurteilte mit höheren Haftstrafen, beispielsweise für Sexualstraftäter.

Zwei Häftlinge lehnen ab

Besonders vielen Häftlingen hat in diesem Jahr die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) eine frühere Entlassung beschert: Bereits 25 Personen durften laut dem Ministerium das Gefängnis verlassen. In Potsdam kamen dagegen beispielsweise nur 16 Straftäter raus. Der Minister selbst hat 15 Gefangenen das Geschenk gemacht. Genauer gesagt entscheidet er über Häftlinge, die zwar in Brandenburg verurteilt wurden, aber in einem anderen Bundesland einsitzen müssen.

Überraschend ist allerdings, dass zwei Strafgefangene die frühzeitige Entlassung abgelehnt haben. "Die Gründe sind hier nicht bekannt", berichtet das Ministerium abschließend.