Was ist Biosprit?
Biokraftstoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. In der EU entfallen rund drei Viertel der Produktion auf Biodiesel, der meist aus Raps stammt. Ein Viertel ist Bioethanol, der aus Zuckerrüben oder Getreide (Weizen, Roggen oder Mais) gewonnen wird. Energiepflanzen werden auf zwei Prozent der EU-Agrarflächen angebaut.

Warum gibt es Zweifel am Pflanzensprit?
Weil nicht nur die Verbrennung im Motor Auswirkungen auf die Umwelt hat. Der Anbau bringt mitunter ökologische Nachteile mit sich: Wenn ein Bauer in Europa auf seinem Feld nur noch Energiepflanzen anbaut, muss das früher dort wachsende Getreide in einem anderen Erdteil erzeugt werden. In Entwicklungsländern holzen Bauern häufig Regenwald ab oder legen Feuchtgebiete trocken. Das alles verschlechtert die Klimabilanz von Biosprit.

Haben alle Biokraftstoffe ähnliche Klima-Auswirkungen?
Nein. Das erkennt auch die EU-Kommission in ihrem aktuellen Gesetzesvorschlag an. So stuft sie ölhaltige Pflanzen als schädlicher ein als zuckerhaltige. Am besten schneidet Getreide ab. Auf eine genauere Bewertung der Klimafolgen verzichtet die Brüsseler Behörde aber vorerst noch. Hier sei die Datenlage noch zu dünn.

Was ändert sich künftig?
Die EU hat sich das Ziel gesetzt, dass zehn Prozent der Energie im Transportbereich im Jahr 2020 aus erneuerbaren Energien kommen sollen. Höchstens die Hälfte davon soll aus Nahrungspflanzen-Biokraftstoffen stammen. Kraftstoffe aus Pflanzenabfällen, Algen, Stroh oder Klärschlamm sollen sich besser anrechnen lassen, weil sie als klimafreundlich gelten. Staatliche Förderung für Biosprit aus Rüben, Mais oder Getreide soll auf Dauer wegfallen.

Vollzieht die EU-Kommission eine Kehrtwende?
Die Kommission schwenkt allmählich um: Jahrelang hat Brüssel Pflanzensprit als Heilmittel gegen den Ausstoß von Treibhausgasen propagiert. Jetzt reagiert die EU-Kommission auf Kritik von Entwicklungshelfern und Umweltschützern. Die noch im September angedachte große Kehrtwende ist der Vorschlag aber nicht mehr, weil die Kommission den Klimanutzen einzelner Pflanzen nicht bewertet.

Was sagt die Branche?
Die Biospritbranche fürchtet einen Absatzeinbruch und die Drosselung der Produktion. "Das führt zu Arbeitsplatzverlusten und mehr CO{-2}-Ausstoß", sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Laut Industrie ist es ohne staatliche Finanzierung unmöglich, die gewünschten Biokraftstoffe der zweiten Generation - etwa aus Cellulose von Stroh oder Holz - zu entwickeln.

Was sagen Umweltschützer?
Der WWF bemängelt, dass die Kraftstofflieferanten nicht zwischen mehr oder weniger klimafreundlichen Treibstoffen unterscheiden müssen, um ihre Umweltziele zu erreichen. "Die EU-Kommission hat die erhebliche Entwaldung und die Klimaemissionen durch Biokraftstoffe praktisch ignoriert", sagt "Friends of the Earth Europe". Bedeutet dies das Aus für Biosprit wie E10? Nein. Die EU-Kommission schreibt: "E10 sollte innerhalb der EU ohne Verzögerung eingeführt werden." Es ist Sache jedes einzelnen Staates, über den Energiemix zu entscheiden und zu klären, wie die Quote für erneuerbare Energien im Transportbereich erreicht wird.

Wann könnten die neuen Regeln in Kraft treten?
Europaparlament und EU-Staaten müssen noch zustimmen, dies dürfte ein bis zwei Jahre dauern. 2017 steht die Überarbeitung der Gesetzgebung an .