Die gute Nachricht zuerst: Seit vergangener Woche wird auf Brandenburgs teuerster Baustelle, dem künftigen Hauptstadtflughafen, wieder gebaut. Und wie könnte es anders sein, es ist die Brandschutzanlage, an der "geschraubt" werden muss. Am Pier-Nord sind Spezialisten damit beschäftigt, eine neue Sprinklerzentrale einzubauen. Ursprünglich war geplant, dass eine einzige zentrale Anlage den Brandschutz für den gesamten neuen Flughafen sicherstellt. Doch der Plan ging nicht auf. Knackpunkt dabei ist eine Anlage mit der Bezeichnung R 14, die im Flughafenjargon inzwischen "das Monster" genannt wird. Das "Monster" sollte im Brandfall die schnelle Entrauchung sicherstellen und automatische Löscheinrichtungen steuern. Letztlich hat sich herausgestellt, dass das Zentralkonzept technisch nicht beherrschbar ist. Deshalb wird es künftig drei separate Anlagen geben. Eine jeweils für Nord- und Süd-Pier und eine für das riesige Hauptterminal.

Dass am BER wieder die Bohrhämmer rattern, ist ein erster Erfolg für Flughafengeschäftsführer Hartmut Mehdorn. Der jetzt gestartete Umbau ist Teil von Mehdorns "Sprint"-Programm, mit dem er auf eine Teileröffnung des BER hinarbeitet.

Suche nach Planern

Aber der Weg dorthin kann noch lang werden. Zwar gibt es inzwischen einen Vertrag mit der Firma Siemens, die die Brandschutzanlage funktionsfähig machen will. Wie lange die Techniker aber brauchen, können sie derzeit nicht sagen. Noch fehlt es nämlich an den notwendigen Planungsunterlagen. Derzeit werde mit Hochdruck nach einem geeigneten Planungsbüro gesucht, bestätigt auch Flughafensprecher Ralf Kunkel.

Mehdorn konzentriert sich auf den Nord-Flügel. Dort würde er am liebsten im nächsten Jahr einen "Test im Echtbetrieb" mit drei bis zehn Starts und Landungen pro Tag absolvieren. Der Plan ist heftig umstritten (siehe Kasten).

Verdächtig ruhig geworden ist es um den öffentlichen Streit zwischen Mehdorn und Technikgeschäftsführer Horst Amann, der noch im September für dicke Schlagzeilen gesorgt hatte. Dass die beiden starken Männer jetzt einträglich an einem Strang ziehen, ist eher unwahrscheinlich. Spiegel-online berichtet über einen neuen Brief von Horst Amann an den amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Amann rechnet offenbar mit seiner Abberufung. In dem Brief soll Amann am 26. September Wowereit vorgeschlagen haben, ihm die "Sanierung der Nordbahn" oder die Geschäftsführung des Flughafens Tegel zu übertragen. Gut möglich, dass es am Mittwoch dazu im Aufsichtsrat eine Entscheidung gibt.

Ursprünglich sollte am Mittwoch noch eine weitere Personalie geklärt werden, nämlich die des Aufsichtsratsvorsitzenden. Nach dem Rückzug von Brandenburgs ehemaligem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck hatte Klaus Wowereit (beide SPD) kommissarisch wieder den Vorsitz übernommen. Er würde gerne auch wieder auf Dauer Vorsitzender bleiben.

Wowereit bleibt kommissarisch

Doch dagegen regt sich Widerstand. Die Linkspartei in Berlin und die Brandenburger CDU hatten am Montag den Berliner Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) für den Posten ins Gespräch gebracht. Senatssprecher Richard Meng wies entsprechende Spekulationen aber umgehend zurück. In BER-Gesellschafterkreisen sorgte die Personalie eher für Heiterkeit. "Wir werden abwarten, wie die neue Bundesregierung aussieht und wer der neue Bundesverkehrsminister wird", sagte Aufsichtsrat Rainer Bretschneider (SPD) am Montag.

Zum Thema:
Der BER ist so konzipiert, dass alle Abfertigungs- und Sicherheitskontrollen sowie die Gepäckausgabe im Hauptterminal konzentriert sein sollen. Nord- und Süd-Pier sind ursprünglich nur als "Wartehallen" für abgefertigte Passagiere vorgesehen. Für Mehdorns "Test im Echtbetrieb" aber muss der Nord-Pier nach seiner Fertigstellung für sieben bis acht Millionen Euro mit Sicherheitsschleusen und Gepäckbändern aufgerüstet werden. "Ummöblierung" nennt das Hartmut Mehdorn. Einige Techniker und Bauexperten, wie beispielsweise BER-Technik-Geschäftsführer Host Amann, halten diesen Begriff für eine unzulässige Verniedlichung des damit verbundenen Aufwandes. Bisher ist für die nötigen Umbauten nicht einmal der Bauantrag komplett.