Hartmut Mehdorn ist nicht da. Er habe "dringende Termine mit Baufirmen", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Helmut Barthel, als er als Alterspräsident die erste Sitzung des Sonderausschusses BER in der neuen Legislaturperiode eröffnet. Im Raum breitet sich Unruhe aus. Denn allen Anwesenden ist längst bekannt: Am Mittag hatte Hartmut Mehdorn angekündigt, spätestens im Sommer 2015 seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Flughafengesellschaft FBB zu beenden.

"Jetzt gibt es eine Möglichkeit zum Neustart." Axel Vogel (Grüne)

Brandenburgs Politiker reagierten mit einer Mischung aus Bedauern und Erleichterung. So erklärte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), er habe den Rücktritt überrascht und "mit Respekt zur Kenntnis genommen". Mehdorn habe seinen Posten in einer schwierigen Zeit übernommen. Die Aufsichtsratssitzung am Freitag habe gezeigt, dass er es geschafft habe, in die Arbeit der Flughafengesellschaft "Linie reinzubringen".

Oberstes Ziel müsse es nun sein, keine weitere Zeit zu verlieren. "Ich bin zuversichtlich, dass wir trotz dieser Veränderungen das Terminband hinbekommen werden." Zu Spekulationen, Technikchef Jörg Marks solle Nachfolger werden, wollte sich Woidke nicht äußern. "Es gibt eine Reihe von Kandidaten", sagte der Ministerpräsident. "Insgesamt hat es uns Mehdorn aber nicht immer nur leicht gemacht - das können wir mit Fug und Recht sagen." So scheint es auch Finanzminister Christian Görke (Linke) zu sehen. "Ich habe das zur Kenntnis genommen", sagt er auf dem Weg in den Ausschuss.

Keinen Dank und keinen Respekt hat er für Mehdorn übrig. Immerhin hatte es in der vergangenen Woche noch massiven Streit zwischen den Eigentümern und Mehdorn gegeben. Umstritten waren die Frage, ob externe Gutachter Mehdorns Arbeit überprüfen sollten - und ob der 72-jährige Geschäftsführer über das Auslaufen seines Vertrags Ende Februar

2016 hinaus im Amt verlängert werden sollte. Und insbesondere die Politiker der Linken profilierten sich dabei als entschiedene Gegner Mehdorns. Doch auch der Fraktionschef der Grünen im Potsdamer Landtag, Axel Vogel, hielt den Rücktritt Mehdorns für "überfällig". "Jegliche Art von Vertrauen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat war dahin", sagte Vogel.
"Jetzt gibt es eine Möglichkeit zum Neustart." Einzig die CDU bedauerte am Montag den Rücktritt
des Geschäftsführers. "Das ist ein herber Schlag für das Projekt" sagte deren Verkehrsexperte Rainer Genilke. Mehdorn sei in den letzten Wochen regelrecht aus dem Amt gemobbt worden. "Ich denke, dass das zu weiterer Verzögerung für den Flughafen führen wird."


Inhaltlich beschäftigten sich die Abgeordneten vor allem mit der weiteren Finanzierung. Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider bestätigte, dass eine neue Finanzspritze über 2,2 Milliarden Euro nötig werden könnte. Damit würde der Flughafen mehr als sechs Milliarden Euro kosten.


Finanzminister Görke betonte aber, dass Brandenburg deswegen nicht automatisch mehr Geld zuschießen müsse. "Aus Sicht des Gesellschafters ist die Fremdfinanzierung das vorrangigste Ziel, gegebenenfalls mit einer Bürgschaft der Eigner", so Görke. Allerdings warne er vor einer Diskussion über dieses Thema, "bevor nicht der wirtschaftliche Rahmenplan der Gesellschaft auf dem Tisch liegt". Flughafen-Finanzchefin Heike Fölster erklärte, Gespräche mit Banken hätten ergeben, dass es ohne eine Bürgschaft keine weitere Finanzierung für den Flughafen gebe.