Eine Schockdiagnose wirbelte vor fünf Jahren das Leben von Birgit Schubert aus Jessen durcheinander. "Ich war vorher kaum krank gewesen. Dann bekam ich plötzlich eine ganz schwere Lungenentzündung. Und damit nicht genug. Bei der Nachkontrolle wurde beim Röntgen ein Fleck auf der Leber entdeckt", erzählt die heute 66-Jährige.

Es begann eine kleine Odyssee von Arzt zu Arzt, von Untersuchung zu Untersuchung. Sie verspürte zwar keine Schmerzen, aber es sollte natürlich geklärt werden, was es damit auf sich hatte. Mit der Leber, die für die Entgiftung zuständig ist, war schließlich nicht zu spaßen.

Vor drei Jahren dann sagte ihr eine Ärztin auf den Kopf zu: "Das kann nur Leberkrebs sein". Sie müsse sofort operiert werden. Zwei Drittel der Leber sollten in einer großen Operation entfernt werden. Eine Lebertransplantation danach wäre überlebensnotwendig geworden, wie sie später erfuhr. Sollte ihr Leben tatsächlich am seidenen Faden hängen? Die Jessenerin, die gemeinsam mit einer ihrer Töchter ein Optikergeschäft betreibt, war total geschockt. Aber so schnell ließ sie sich nicht den Boden unter den Füßen wegziehen. Ihr Hausarzt empfahl ihr dann eine Konsultation im Nachbarbundesland. Das Krankenhaus Herzberg im Elbe-Elster-Klinikum habe sich bereits einen guten Namen gemacht in der Behandlung Leberkranker. Und so stellte sie sich für eine Zweitmeinung bei Professor Dr. Roland Reinehr in der Lebersprechstunde vor.

Die Diagnose Leberkrebs hielt Reinehr für wenig wahrscheinlich und wollte der Sache auf den Grund gehen. Schließlich hatte die Patientin nie Beschwerden verspürt, nicht an Gewicht verloren. Tumormarker im Blut waren nicht festzustellen. Der Internist konnte sie nach einer speziellen Sonografie, die mittels Kontrastmittel die Durchblutung der Leber sichtbar macht, schon ein wenig beruhigen. "Ein Gallengang hatte sich erweitert, der Fleck auf der Leber entsprach einer Zyste und wies nicht die Charakteristika eines bösartigen Tumors auf. Er riet, nichts zu übereilen. Nach drei Monaten Verlaufskontrolle hatten sich die Leberwerte nicht verschlechtert, der mit Flüssigkeit gefüllte Leberherd war auch nicht größer geworden. Er bereitete Birgit Schubert weiterhin keine Beschwerden.

Prof. Reinehr war mehr und mehr von der Gutartigkeit der Leberveränderung überzeugt. Und doch hieß es, diese zu beobachten. Anderthalb Jahre später ergaben die Laborwerte weiter nichts Bösartiges. Aber der linke Leberlappen war nun so vergrößert, dass es unter dem Rippenbogen drückte. Die Gallenwege waren erweitert¸ so wie man es zum Beispiel vom Gallensteinleiden her kennt. Aber nur auf einer Seite? Schließlich kam Prof. Reinehr auf den Gedanken, es könne sich in diesem Fall um ein Caroli-Syndrom handeln. Eine Gewebeuntersuchung bestätigte den Verdacht. "Es ist so selten, dass selbst Leberspezialisten es in ihrer Praxis nur ein oder zwei Mal im Leben zu sehen bekommen", sagt er. Die Veranlagung dazu sei angeboren. Typisch ist die fortschreitende Aussackung der kleinen Gallenwege, die dazu führt, dass Gifte nicht mehr abfließen können und die Leberzellen nach und nach kaputt gehen.

Bei der Patientin war zum Glück nur der linke Leberlappen betroffen. Aber die Leber begann, sich deutlich umzubauen.

Es war der Punkt gekommen, an dem er ihr zu einer Operation im Städtischen Klinikum Dresden-Friedrichstadt riet, wo man viele Erfahrungen mit Leberoperationen hat. "Diese Empfehlung hat mein Vertrauen in das Herzberger Krankenhaus noch gestärkt", erzählt die Jessenerin.

So blieben ihr die große Operation und eine eventuelle Lebertransplantation erspart. Es wurden nur die betroffenen Segmente entfernt, die, so ist ihr Zuversicht geschenkt worden, bald nachwachsen werden.

Seit Anfang des Jahres fühlt sie sich wieder pudelwohl im Kreis ihrer Familie. Sie geht noch gern arbeiten und genießt es, die Enkel um sich zu haben, auch wieder gutes Essen. In Herzberg tauchte sie deshalb mit einem Korb voller Leckerbissen auf und bedankte sich bei Prof. Reinehr. Sie ist überzeugt: "Er ist mein Lebensretter."

Zum Thema:
Infektionen in den Gallenwegen, die immer wiederkehren, können auf das Caroli-Syndrom hinweisen. Benannt nach seinem Erstbeschreiber Jacques Caroli (1902-1979) bezeichnet es eine seltene angeborene Erkrankung der Gallenwege mit zystischen Erweiterungen der Gallengänge in Kombination mit einer angeborenen Fibrose der Leber. Die isolierte Erweiterung der großen Gallenwege ohne Bindegewebsvermehrung ist als Caroli-Krankheit bekannt.

Zum Thema:
Der Leber-Liga e.V., ein unabhängiger Verein zur Förderung und Unterstützung chronisch Lebererkrankter, zählt in seiner neuesten Aktualisierung das Elbe-Elster Klinikum Herzberg wieder zu den für Lebererkrankte besonders geeigneten Krankenhäusern. Die Liste umfasst deutschlandweit 30 Krankenhäuser, 13 davon sind Universitätsklinika wie die Charité in Berlin oder das Universitätsklinikum Freiburg. In Deutschland leiden schätzungsweise mehr als eine Million Menschen an einer Lebererkrankung, viele davon an einer chronischen Leberzirrhose. Ziel und Aufgabe der Leber-Liga ist es, durch Aufklärung über neueste medizinische Erkenntnisse und modernste Möglichkeiten der Behandlung ihre Mitglieder und andere interessierte Personen zu informieren. Im Rahmen dieser Aufgabe fördert die Leber-Liga die Kenntnis diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen auch durch Vermittlung an entsprechend besonders spezialisierte Zentren. Daneben erstellt die Vereinigung jährliche Informationsschriften, fördert Forschungsprojekte und veranstaltet in Zusammenarbeit mit Fachkliniken Arzt-Patienten-Seminare und ärztliche Weiterbildungsveranstaltungen, die auch schon am Klinikum Herzberg stattgefunden haben. Dr. Helmut Blum, langjähriger Vorsitzender der Leber-Liga und Träger des Bundesverdienstkreuzes, besuchte Professor Dr. Roland Reinehr (Foto l.) im Krankenhaus Herzberg und überzeugte sich vor Ort von den ausgezeichneten Bedingungen.