D er Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den Briten John Gurdon (79) und den Japaner Shinya Yamanaka (50) für ihre Arbeiten zur Verjüngung von erwachsenen Zellen. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist diesmal mit umgerechnet 930 000 Euro (acht Millionen Schwedische Kronen) dotiert.

In Zukunft könnten die neuen Zellen dazu dienen, patienteneigenen Ersatz für krankes Gewebe zu schaffen, etwa bei Parkinson oder Diabetes. Thomas Perlmann vom Nobelkomitee begründete die Entscheidung: "Die beiden Preisträger haben völlig neue Felder für die Entwicklung von medizinischen Präparaten eröffnet."

Sein Kollege Urban Lendahl ergänzte: "Es ist noch zu früh zu sagen, wann die Erkenntnisse in der Zelltherapie umgesetzt werden können. Dank ihrer Arbeit wissen wir jetzt, dass die Zellentwicklung keine Einbahnstraße ist." Im Jahr 2009 erhielten Yamanaka und Gurdon bereits den gleichfalls hoch angesehenen Lasker-Award, das US-Gegenstück zum Nobelpreis. Die höchste Auszeichnung für Mediziner und Biologen ehrt eine der erstaunlichsten Entdeckungen der vergangenen Jahre. 2006 berichtete Yamanaka, dass sich Zellen aus dem erwachsenen Körper mit einigen wenigen Signalmolekülen in Stammzellen zurückverwandeln lassen. Schnell zeigte sich, dass diese induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) jenen aus dem Embryo weitestgehend gleichen. Das eröffnet die aufregende Möglichkeit, die Hautzellen eines Patienten in Stammzellen zu wandeln, um daraus neues, patienteneigenes Gewebe zu schaffen. Die Abkürzung iPS steht seither für eine große Hoffnung: Stammzellen ohne zerstörte menschliche Embryonen.

Yamanaka empfindet die Zuerkennung als "enorme Ehre". Es sei aber auch eine gewaltige Ermutigung für ihn selbst, seine Kollegen und alle Wissenschaftler, die mit iPS-Zellen arbeiten, die Forschungen fortzusetzen, wurde er auf der Webseite des Center for iPS Cell Research and Application (CiRA) der Universität Kyoto zitiert. Er werde mit seinen Kollegen härter arbeiten, um effektive Medikamente und neue Therapien zu entwickeln.

Sein britischer Kollege Gurdon arbeitet in dem nach ihm selbst benannten Institut an der Universität Cambridge. In seinem Fall vergingen 50 Jahre bis zum Anruf. Gurdons Publikation von 1962 bewies, dass sich die Spezialisierung erwachsener Zellen rückgängig machen lässt. In seinem klassischen Experiment ersetzte er den Kern einer Frosch-Eizelle durch jenen einer Zelle aus den Eingeweiden eines Frosches. Daraus ging dann eine Kaulquappe hervor. Damit war klar: Die erwachsene Zelle behält alle Gene, um alle Zellen des lebenden Frosches zu bilden. Und: Es gibt eine Art molekularen Jungbrunnen. Viele Forscher hoffen, dass sich aus iPS-Zellen eines Tages Ersatzgewebe oder gar -organe schaffen lassen, die vom Empfänger nicht abgestoßen werden.