Gerade ist auf dem Cottbuser BTU-Campus der Workshop "Leichtbau für den Strukturwandel und den Technologietransfer in der Lausitz" zu Ende gegangen, da steht die Kooperation von Unternehmen und Hochschulen erneut im Fokus - diesmal auf dem Campus Senftenberg der BTU. Hier hat die Wirtschaftsinitiative Lausitz am Montagabend den mit insgesamt 10 000 Euro dotierten Lausitzer Wissenschaftstransfer-Preis 2017 vergeben. Dabei hat bei den acht Nominierten sechsmal die BTU Cottbus-Senftenberg mit im Boot gesessen.

BASF-Geschäftsführer Jürgen Fuchs hat die Projekte der Preisträger und aller Teilnehmer am Wettbewerb dann auch "als herausragende Beispiele für die Innovationskraft der Wirtschaftsregion Lausitz" bezeichnet. Der Juryvorsitzende betonte, dass die drei Erstplatzierten "aufgrund ihrer Innovationsstärke noch einmal ein Stück aus allen eingereichten Wettbewerbsbeiträgen herausragen und in hohem Maße den Ansprüchen der Jury entsprochen haben". Ihr Lösungsansatz sei ausgesprochen kreativ und der Nutzen sowohl für die beteiligten Unternehmen als auch für die Hochschulen sehr hoch. Ausgezeichnet wurden im Zuse-Medienzentrum:

Erster Preis:Aus Sicht der Jury ist die Innovation "Forschung, Entwicklung und Produktion medizinischer Diagnostika in der brandenburgischen Lausitz" der Sieger (Preisgeld: 5000 Euro) dieses Wettbewerbsjahrganges. Geehrt wurde die Kooperation der Attomol GmbH Molekulare Diagnostika Bronkow mit der BTU Cottbus-Senftenberg. Die Projekte "Bildbasierte Assays" sowie "Funkbasierte und optische Kommunikationssysteme" sind ein Beitrag, die von Attomol vertriebenen Testbestecke zur medizinischen Diagnostik für den Nachweis von Mutationen, Krankheitserregern und Autoimmunerkrankungen zu verbessern.

Dabei gehe es, so die Jury, um preiswerte Diagnostika mit höherem medizinischen Nutzen sowie neue Hard- und Softwarelösungen. Der dabei entwickelte sogenannte Real-time-PCR-Array nutze eine weltweit einzigartige Mikropartikel-Technologie und sei auf die Routinediagnostik ausgerichtet.

Zweiter Preis:Optimierte Einsatzsteuerung und selbstkontrollierende Fahrweise dezentraler Energieerzeugungsanlagen nennt sich das Projekt der Use my Energy GmbH Zittau mit Hochschule Zittau/Görlitz. Das mit dem zweiten Preis (3000 Euro) gekürte Kooperationsprojekt aus dem Bereich der erneuerbaren Energien hat zum Ziel, die Effizienz dezentraler Anlagen zu erhöhen.

Konkret geht es um die optimale Auslegung und intelligente Steuerung von Energieanlagen. Dazu wurde die Funktionalität und damit die Anwendbarkeit insbesondere der Software Use My Energie-Designer erweitert. Durch die Software lassen sich Energieerzeuger ergebnisorientiert auslegen und neue Anlagen wie ein Blockheizkraftwerk, eine Wärmepumpe oder eine Fotovoltaik-Anlage optimal in ein vorhandenes Energiekonzept einbinden.

Dritter Preis:Flex-Reha-Schacht nennt sich in der Kurzform der dritte Preisträger (2000 Euro). Dahinter verbirgt sich ein neuartiges Faserverbund-basiertes Sanierungsverfahren von stark medienbeanspruchten Beton-Pumpschächten. Damit können Jahreszeiten-unabhängige Tragwerks-Rehabilitationen im Bestand vorgenommen werden. Das neuartige Verfahren ist von der LKT Lausitzer Klärtechnik GmbH Luckau mit der BTU Cottbus-Senftenberg, Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen, entwickelt worden (Laufzeit bis Oktober 2018). Dabei werden Risse, Abplatzungen und Korrosionen am Beton saniert, indem eine selbsttragende Sandwich-Konstruktion - eine Art zweite Hülle aus Faser-Verbund-Kunststoffen - angebracht wird. Die Vorteile: Kosten- und Zeitersparnis, Jahreszeiten-unabhängiger Einsatz, für aggressive Abwässer geeignet, auch in Kläranlagen und Biogasanlagen anwendbar.

Der Hausherr des Abends, BTU-Präsident Professor Jörg Steinbach, bezeichnete innovative Produkte und Verfahren, mit denen neue Vertriebswege und Märkte erschlossen werden können, als "Investitionen in die Zukunft". Das sei den heute ausgezeichneten Unternehmen und Hochschulen mit Kreativität, Know-How und Kooperation gelungen.

Für Steinbach habe sich erneut gezeigt, dass dort Innovationsvorsprung erzielt werde, wo Wirtschaft und Wissenschaft als Partner strategisch zusammenarbeiten.

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen können von den Kompetenzen der Lausitzer Hochschulen profitieren. Steinbach: "Kommen Sie zu uns an die BTU. Gerne unterstützen wir Sie, um Lösungsansätze für bestimmte Problemstellungen zu finden."

Zum Thema:
Die Wirtschaftsinitiative Lausitz schreibt den mit insgesamt 10 000 Euro dotierten Lausitzer Wissenschaftstransfer-Preis seit 2011 jährlich aus. Der eingetragene Verein wird von zahlreichen Unternehmen in der länderübergreifenden Lausitz getragen. Ziel des Wettbewerbes ist es, die Vernetzung zwischen Lausitzer Unternehmen mit wissenschaftlichen Einrichtungen zu verbessern. Die Bewerbungsfrist für den 2018 startet im Herbst.