"Es ist empörend, in welcher feudalistischen Gutsherrenart der Ministerpräsident mal eben seine Beziehungen springen lässt und schon kann er Jobs vergeben", erklärte Forums-Sprecher Martin Behrsing.
In den Schlagzeilen ist er längst "Deutschlands berühmtester Arbeitsloser". Inzwischen kann der Wiesbadener Bauarbeiter Henrico Frank in Ruhe unter mehreren Jobangeboten wählen. Mitarbeiter des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten warfen dem 37-Jährigen acht Offerten in den Briefkasten. Tritt Frank eine der Stellen an, dürfte ein in dieser Form einmaliges Medienspektakel zu Ende gehen, in dem sich auch viel Unsicherheit im öffentlichen Umgang mit der Massenarbeitslosigkeit spiegelt.

"Du bist schuld"
Am vergangenen Dienstag hatte der aus Gotha stammende Hartz-IV-Empfänger bei einem lokalen Wahlkampftermin Becks auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt lautstark über sein Schicksal geschimpft. Er ist seit sechs Jahren ohne Job, ein Bandscheibenvorfall und eine Schulterverletzung erschwerten die Vermittlung. Beim Zusammentreffen trug Frank lange, an den Spitzen offensichtlich blond gefärbte Haare, einen ungepflegten Vollbart und zahlreiche Ringe in Nase und Ohren. Nach übereinstimmender Schilderung von Augenzeugen war er nicht mehr nüchtern und brüllte Beck aus wenigen Metern Entfernung an: "Du bist schuld, dass ich Hartz IV bin."
Da habe der SPD-Chef "kurz die Contenance verloren", berichtet ein Genosse. "Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job", hielt Beck dem Mann nicht wesentlich leiser entgegen - und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. "Darf ein SPD-Chef das sagen?", fragte die "Bild"-Zeitung am nächsten Tag. Grüne und Linkspartei auf Bundesebene antworteten mit scharfer Kritik und der Forderung nach einer Entschuldigung. Die Hartz-IV-Initiative, in deren Vorstand Frank sitzt, wollte sogar Becks Rücktritt.

"Arbeit ist scheiße"
Medien stürzten sich auf den überfordert wirkenden Bauarbeiter, der zu Anfang noch einen Sticker mit dem Motto "Arbeit ist Scheiße" an der Lederjacke trug und sich selbst als Punk bezeichnete. Dass Frank selbst für Becks scharfe Antwort auf seine Provokation öffentlich Verständnis gezeigt hatte und dass der Ministerpräsident ihm gleich auch einen Termin in der Staatskanzlei und Hilfe bei der Jobsuche angeboten hatte, wurde zunächst kaum bemerkt.
Stattdessen nahm sich die Wiesbadener Arbeitsloseninitiative sehr nachdrücklich des Falles an. Frank stehe ab sofort für Interviews nicht mehr zur Verfügung, alle Anfragen liefen nur noch über sie, erklärte eine Sprecherin der Initiative. Einen für gestern geplanten Gesprächstermin mit Beck sagte die Sprecherin, die sich plötzlich als "Management für Henrico Frank" bezeichnete, wegen "ehrenamtlicher Verpflichtungen" des Bauarbeiters ab. Bei einer Pressekonferenz am Montag stand Frank offenbar auf Weisung stumm neben der Frau, die für ihn das Reden übernommen hatte.
Die öffentliche Meinung wandte sich wegen der Absage des Beck-Termins gegen den Arbeitslosen. Der Wiesbadener Sozialdezernent drohte in dieser Woche unverhohlen mit Kürzungen des Arbeitslosen geldes II, falls Frank Becks Angebote nicht annehme.

"Katastrophale Außenwirkung"
Ein führender hessischer SPD-Linker sprach gar von "katastrophaler Außenwirkung". Schließlich gebe es genug Arbeitslose, die gepflegt und gut ausgebildet anträten und trotzdem keinen Job bekämen. Ein Trauerspiel, wie die Medien und die Arbeitslosenplattform den unbedarften Mann instrumentalisiert hätten, schrieb der "Wiesbadener Kurier" - aber vielleicht ein Trauerspiel mit glücklichem Ende. Er wolle den Bauarbeiterberuf aufgeben und zum Altenpfleger umschulen, gab der 37-Jährige über seine Sprecherin zu Protokoll. Er hoffe auf Angebote.