Es wird erwartet, dass die Zahl in diesem Jahr auf einem ähnlichem Niveau liegen wird: Von Januar bis Juni kam es den Angaben zufolge zu 420 Gewaltdelikten. "Das Problem existiert", sagt der Sprecher des Bildungsministeriums, Stephan Breiding. Mit mehr als 90 Prozent seien Körperverletzungen am häufigsten.
Eine eigene Statistik zum Thema führt das Ministerium nach eigenen Angaben nicht. Das Landeskriminalamt erfasse auch Fälle außerhalb der Unterrichtszeiten etwa eine Schlägerei auf dem Schulhof zwischen Personen, die keine Schüler sind, oder einen Zwischenfall bei einer Veranstaltung, für die die Schule nur ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Dennoch scheint die Statistik nah an der Realität zu sein, denn als Tatorte führt das LKA Räumlichkeiten auf, die für Schulfremde nur schwer zugänglich sind - beispielsweise Klassenzimmer und Computerkabinette. Die Polizei versteht unter "Gewaltvorfällen" Straftaten gegen das Leben und die sexuelle Selbstbestimmung, Misshandlung von Kindern und Schutzbefohlenen, Raubdelikte, gefährliche und schwere sowie leichte Körperverletzungen, zu denen es am häufigsten kam: Waren es 2002 noch 559 leichte Körperverletzungen, stieg deren Zahl 2005 auf 624.
Mit Straftaten gegen das Leben sind Morddrohungen gegen einen Lehrer oder einen Mitschüler gemeint. Bisher registrierte hier das LKA in den Jahren 2002 und 2004 nur Versuche. Die Zahl der Misshandlungsfälle bei Kindern und Schutzbefohlenen schwankte den Angaben zufolge zwischen zwei und fünf; 2004 gab es gar keine, zwischen Januar und Juni 2006 bereits zwei.
Um Gewalt an Schulen besser zu begegnen und vorzubeugen, würden unterschiedliche Projekte und Fortbildungen für Lehrer und Schüler angeboten, erläutert Breiding. So könnten Kinder und Jugendliche als Streitschlichter auftreten und Schulen bei Präventionsprojekten enger mit der Polizei zusammenarbeiten.
Morgen starten die Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) eine Fortbildung zum Schulmediator. Pädagogen und Sozialarbeiter sollen dabei zu Streitschlichtern ausgebildet werden und ihr Wissen später auch an die Schüler weitergeben, erklärt Jörg Stopa, Sozialpädagoge bei der Potsdamer RAA. Ihnen werde das "Handwerkszeug" vermittelt, um Konflikte zwischen Schülern, Schülern und Lehrern oder auch Eltern und Lehrer beizulegen.