Carl-Heinz Klinkmüller (CDU) muss ein nervenstarker Zeitgenosse sein. Auf dem Schreibtisch des stellvertretenden Landrates im Dahme-Spreewald-Kreis (LDS) liegen früher oder später alle Bauunterlagen für den neuen Hauptstadtflughafen BER. Damit steht Klinkmüller immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit.

In dieser Woche rauschen durch den deutschen Zeitungsblätterwald erneut Hiobsbotschaften über den Pannen-Airport. Die Bauaufseher in Lübben sollen Hartmut Mehdorns Pläne zum BER-Probebetrieb ab März 2014 abgelehnt haben.

"Das ist doch Quatsch", sagt Carl-Heinz Klinkmüller. Der BER habe am Dienstag vom Bauordnungsamt nicht mehr und nicht weniger als eine Eingangsbestätigung für die Umbaupläne am neuen Nord-Pier erhalten. Und Klinkmüllers Chef, LDS-Landrat Stephan Loge (SPD), bekräftigte am Mittwochabend vor dem Kreistag: "Wir äußern uns nicht zu Fragen der Machbarkeit."

Die Eingangsbestätigung wurde während eines Arbeitstreffens übergeben. Nur wenige Minuten nach der Übergabe sei auf einigen Nachrichtenseiten im Internet die Meldung gelaufen, dass die Baubehörde Mehdorns Pläne ablehne.

Hartmut Mehdorns genauso umstrittener wie ehrgeiziger Plan sieht einen Probebetrieb am Nord-Pier vor.

In der dreiseitigen Eingangsbestätigung vom Landkreis Dahme-Spreewald werden noch einige wichtige Dokumente zur Genehmigung nachgefordert. Es sind etwa zehn Positionen. Dabei handelt es sich um Liegenschafts- und Brandschutz-Unterlagen. "Das ist bei solchen Bauvorhaben nicht ungewöhnlich", beschreibt Carl-Heinz Klinkmüller die Situation. "Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass es ab Frühjahr 2014 am BER einen Probebetrieb geben kann", sagte Klinkmüller am Mittwoch der RUNDSCHAU. Dafür aber müsse alles optimal laufen.

Im Klartext: Die Flughafenbauer müssen kurzfristig die nachgeforderten Unterlagen zur Prüfung vorlegen. Danach haben die künftigen Nutzer des Terminals (darunter Zoll, Bundespolizei, Luftfahrtbehörde) vier Wochen Zeit, die Pläne zu prüfen und gegebenenfalls Widersprüche einzubringen oder ihre Zustimmung zu signalisieren. Davon hängt es entscheidend ab, wie schnell der Umbau vor sich geht.

Aber Mehdorn und seine Bauexperten haben gleichzeitig noch ein ganz anderes Problem. Bis zum heutigen Tag ist keines der insgesamt drei Flughafen-Hauptgebäude "baulich abgenommen". Auch für einen Testbetrieb im Nord-Pier aber gilt: ohne Bauabnahme keine Nutzung.

Es ist also eine Rechnung mit vielen Unbekannten, die Hartmut Mehdorn aufmacht. Derzeit herrscht auf der Großbaustelle faktisch noch ein Baustillstand. Nach Ansicht einiger Insider und Bauexperten müssten daher schon mehrere Wunder geschehen, wenn die Rechnung aufgehen soll.

Die neuerlichen Schlagzeilen über den BER sind wohl vor allem ein hausgemachtes Problem. Allem Anschein nach halten die Flughafen-Bauexperten unter Führung von Horst Amann Mehdorns Zeithorizont für vollkommen unrealistisch.

Seit Wochen wird im Vorstand der Flughafengesellschaft über das weitere Vorgehen mehr oder weniger offen gestritten.

Horst Amann hatte einen anderen Plan. Statt den Nord-Pier für zusätzliche sechs bis acht Millionen Euro mit Abfertigungsschaltern, Gepäckbändern, zusätzlichen Toiletten auszustatten, wollte Amann einen Teil des Hauptterminals fertigstellen. Danach sollte der komplette Flugbetrieb von Schönefeld-Alt zum BER umziehen. Das aber hätte einige Monate länger gedauert als Mehdorns Nord-Pier-Plan.

Der Probebetrieb am Nord-Pier ist außerdem umstritten, weil er nur einige Monate laufen darf. Alle Genehmigungen sind auf den Probelauf bis zum 31. Dezember 2014 ausgerichtet.