Aber das genaue Geburtsdatum, Kindheit, Jugend und Ausbildung des deutschen Rechenmeisters liegen weitgehend im Dunkeln. Selbst sein Name, der als Synonym für Rechenkunst und unangreifbare mathematische Tatsachen gilt, taucht bis in die Gegenwart in verschiedenen Schreibweisen auf. Außer in der sprichwörtlichen Verwendung hat sich dabei vor allem die Kurzform „Ries“ eingebürgert.

Mit Ries verbindet sich vor allem das heutige Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, wo er wahrscheinlich vor 450 Jahren um den 30. März 1559 starb. In dem damals noch jungen, aber reichen sächsischen Bergbau-Zentrum verbrachte er über drei Jahrzehnte seines Lebens. Der Rat des Meisters und Vaters von acht Kindern war in der Region gefragt. Schon 1515 hatte es rund um Annaberg mehrere Hundert Silbererzgruben mit Tausenden Bergarbeitern gegeben.

Ries glänzte mit Fachwissen über damals komplizierte mathematische Operationen, die Bestimmung des Silber- und Goldgehalts von Erzen oder im Vermessungshandwerk. Auch der streng katholische Landesherr Georg der Bärtige griff auf das Know-how des protestantischen Rechenmeisters zurück – ein besonderer Vertrauensbeweis gegenüber den Lutheranern im Land. Als Bergbeamter in verschiedenen Stellungen berechnete Ries unter anderem Kosten und Gewinne von Gruben sowie den „Zehnten“ für den Landesfürsten.

Dass der Meister nicht in Vergessenheit geriet, hat er vor allem seinen Rechenbüchern mit beispielhaften Aufgaben aus dem Alltag zu verdanken. Darin geht es zum Beispiel um Viehkauf, das Gewicht von Lasten sowie um Preise und Maße beim Fleischer, Tuch-, Gewürz- und Weinhändler. Wer die Richtigkeit einer Rechnung bekräftigen will, tut dies bis in die Gegenwart mit dem Sprichwort, „das macht nach Adam Riese...“.

„Er hat zwar nichts Neues entdeckt oder eingeführt“, sagt die Leiterin des Annaberger Ries-Museums, Annegret Münch. „Aber er hat die Mathematik in lebendiger Sprache unters Volk gebracht.“ Zu seinen Verdiensten zählt zudem die Verbreitung der indisch-arabischen Ziffern, die damals allmählich die römischen Zahlen ablösten.

Im Grunde bestätigt Münch ein Urteil, das auch aus der Literatur bekannt ist. Der Meister sei kein „epochemachender Wissenschaftler“ gewesen, schrieb etwa der Ries-Forscher Willy Roch, der damit mancher Legende entgegentreten wollte. Ihm sei es auf die Vermittlung mathematisch-handwerklicher Kunstgriffe angekommen. Im Gedächtnis des Volkes habe er aufgrund seiner damals modernen Lehrweise und seiner charaktervollen Persönlichkeit überlebt, schreibt Roch.