Dutzende von Marschflugkörpern schlugen nach Augenzeugenberichten im Regierungsviertel ein und lösten heftigste Explosionen aus. Gigantische Rauch- und Staubwolken stiegen in den Nachthimmel auf. Mehrere Gebäude, darunter der Präsidentenpalast, standen in Flammen.

Nach Medienberichten könnte es sich um den Beginn der angekündigten „Schock- und Einschüchterungsphase“ mit schwersten Luftschlägen handeln. Auch in den Öl-Städten Kirkuk und Mosul gab es heftige Explosionen. Zuvor hatte der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf das amerikanische Verteidigungsministerium gemeldet, die erwarteten schweren Bombardements stünden unmittelbar bevor.

Im Süden des Irak meldeten amerikanische und britische Truppen am Freitag erste strategische Erfolge. Alliierte Einheiten könnten bereits „binnen drei bis vier Tagen“ Bagdad erreichen, sagte ein britischer Militärsprecher. Sie träfen bei ihrem Vormarsch im allgemeinen auf wenig Widerstand. Dem wurde von irakischer Seite heftig widersprochen. US-Präsident George W. Bush äußerte sich zufrieden über den bisherigen Verlauf des Krieges. „Wir machen Fortschritte“, sagte er am Freitag in Washington.

Die vier Korrespondenten des US-Nachrichtensenders CNN wurden von den irakischen Behörden aufgefordert, umgehend das Land zu verlassen.

Die südirakische Hafenstadt Umm Kasr ist nach Angaben des britischen Generalstabs von den alliierten Truppen bereits erobert worden. Der strategisch wichtige Hafen sei „überwältigt“ worden, sagte Generalstabschef Sir Michael Boyce am Freitag in London. Beim Vormarsch der alliierten Streitkräfte habe es „erheblichen Widerstand“ gegeben. Irakische Soldaten hätten sich in großer Zahl ergeben, sagte Boyce.

Halbinsel Fao bei Bagdad erobert

Ein Reporter des US-Fernsehsenders CNN berichtete, eine größere Zahl von Gefangenen werde in einem Lagerhaus festgehalten. Der britische Premier Tony Blair bestätigte, dass die Halbinsel Fao vor der südirakischen Hafenstadt Basra ebenfalls fest in der Hand der Alliierten sei. Die wichtigen Ölquellen seien gesichert. Nach Angaben von Boyce wurden nur sieben und nicht 30 Ölquellen im Südirak in Brand gesteckt.

Die amerikanische Infanterie setzte ihren Vormarsch auf Bagdad fort. Ein mitfahrender CNN-Reporter berichtete, dass die schweren Panzer mit Geschwindigkeiten von mehr als 50 Stundenkilometern durch die Wüste nach Norden rollten. Sie standen laut BBC bereits 200 Kilometer nördlich von Kuwait.

Alliierte Truppen wurden vor den Toren der irakischen Stadt Nasirija rund 300 Kilometer südöstlich von Bagdad in Kämpfe verwickelt, wie ein sie begleitender BBC-Korrespondent berichtete. Die Iraker hätten anscheinend „herbe Verluste“ erlitten. Der alliierte Konvoi mit „Tausenden von Fahrzeugen“ komme zum Teil „sehr schnell“ voran. Die Stadt hat strategische Bedeutung am Übergang über den Euphrat auf dem Weg nach Bagdad. Laut CNN eroberten die Alliierten außerdem zwei wichtige Flugplätze im Westen des Irak.

Die irakische Armee setzte ihre Raketenangriffe auf Kuwait fort. Nach kuwaitischen Angaben konnte die Luftabwehr eine irakische Rakete abfangen, die gegen den Luftwaffenstützpunkt Ali el Salim gerichtet gewesen sei. Eine andere schlug in der Wüste ein.

Der türkische Luftraum war am Freitag noch für alliierte Kampfflugzeuge gesperrt, obwohl das Parlament am Vortag grünes Licht gegeben hatte. Nach Medienberichten sind Meinungsverschiedenheiten zwischen Ankara und Washington über türkische Pläne, mit eigenen Truppen in den Nord-Irak einzurücken, der Grund der Verzögerung. US- Außenminister Colin Powell sagte, wenn die Angelegenheit nicht geklärt werden könne, würden die USA Alternativpläne machen.

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