Die Arbeitslosen bekommen weniger Hilfe und die Studenten weniger Stipendien. Die Subventionen für Museen und Opernhäuser werden drastisch gekürzt, sogar König Juan Carlos muss sich einschränken. Spanien spart an allen Ecken und Enden, aber dennoch gerät die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone in immer größere Finanznöte. Der Schuldenberg des Staates wird nicht geringer, sondern schwillt in einem beängstigenden Tempo an.

"Wir dürfen nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen", hatte Ministerpräsident Mariano Rajoy bei seinem Amtsantritt vor neun Monaten die Devise seiner Regierung ausgegeben. Aber dann geschah genau das Gegenteil. Als Rajoy im Dezember 2011 an die Macht kam, belief sich der Schuldenberg des Staates auf 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In diesem Jahr werden die Verbindlichkeiten auf 85,3 und 2013 nach dem Haushaltsentwurf der Regierung sogar auf 90,5 Prozent steigen.

Die Banken als Achillesferse

Ein Hauptgrund für den Anstieg liegt in den Milliardenbeträgen, die der Staat in die Sanierung maroder Banken pumpt. Die Geldhäuser sind nach dem spektakulären Platzen der Immobilienblase die Achillesferse Spaniens. "Die Steuerzahler wird die Hilfe für die Geldhäuser keinen Cent kosten", hatte Wirtschaftsminister Luis de Guindos immer wieder beteuert. Die Banken erhielten vom Staat keine Subventionen, sondern Kapitalspritzen, die später zurückgezahlt werden müssten.

Vielen Menschen reicht es inzwischen aber - nicht nur in Spanien. Während in Madrid sich am Samstag rund 4500 Menschen zu einer nicht genehmigten Kundgebung versammelten, beteiligten sich beim Nachbarn in Lissabon Zehntausende Portugiesen an den Protesten. In Spanien war es bereits die dritte Demonstration binnen fünf Tagen, in Portugal der dritte Massenprotest in zwei Wochen. Sogar in Frankreich wurde demonstriert. Mit einem großen Protestmarsch durch Paris machten am gestrigen Sonntag Anhänger der französischen Linksfront gegen die Sparpolitik der Regierung unter François Hollande mobil. Sie forderten unter anderem eine Volksabstimmung über den europäischen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin.

Noch Schlimmeres befürchtet

Trotz aller Disziplin aber wird und wird der Spardruck nicht kleiner. Zumal im Falle von Spanien die wirklich großen Hilfen erst noch ausstehen. Nach dem Prüfbericht der US-Beratungsfirma Oliver Wyman benötigen die maroden spanischen Geldhäuser im ungünstigsten Fall noch 59 Milliarden Euro. Dieses Resultat löste in Spanien keinen Alarm, sondern eine gewisse Erleichterung aus, denn manche Experten hatten ein schlimmeres Ergebnis erwartet.

Die Erleichterung währte aber keine 24 Stunden. Die Vorlage des Haushaltsentwurfs für 2013 führte den Spaniern vor Augen, wie ernst die Finanzlage ist: Der Staat gibt ein Viertel seiner Einnahmen für den Schuldendienst aus, 2013 will Madrid Anleihen über 200 Milliarden Euro ausgeben - und das in einer Zeit, in der Spanien eine Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau droht und die Zinsen ein kaum noch finanzierbares Niveau erreicht haben.

Die Gegner der Sparpolitik halten der Regierung vor, bei der Bildung, der Gesundheit oder der Arbeitslosenhilfe Gelder zu streichen, aber dann Milliardensummen in die Banken zu stecken. Sie erhielten Unterstützung vom angesehenen US-Ökonomen Paul Krugman. "Die Demonstranten haben Recht", schreibt der Nobelpreisträger in der "New York Times". "Wer in Wirklichkeit irrational handelt, sind die vermeintlich seriösen Politiker und Staatsbeamte, die der Bevölkerung immer mehr Leid abverlangen."