Das sieben mal 14 Meter große Kunstwerk, das seit 1974 den Eingang der Hochschule schmückte, soll in vier Teile zerteilt werden, bevor es - ja, was„ - wieder aufgebaut wird“ Und wo? Denn darüber streiten Stadt und Universität seit Monaten.
Um 10.31 Uhr gestern Morgen, bei leichtem Nieselregen, hat Marx' letzte Stunde als früherer Namenspatron der Leipziger Universität geschlagen. Er schwebt von seinem Stahlgerüst zu Boden, wird auf Holzbalken abgesetzt und gleitet langsam in die Horizontale. Ab Frühjahr soll auch das Hauptgebäude dahinter verschwinden und bis 2009 einem 140 Millionen Euro teuren neuen Campus Platz machen. Nein, traurig sei er nicht, sagt Klaus Schwabe. Er hatte das Relief "Aufbau" in den 70er-Jahren mitgeschaffen, nun sieht er es verschwinden. "Es tut mir ein bisschen leid", sagt er. Aber die Uni habe ja beschlossen, es wieder aufzustellen. Darauf verlasse er sich.
Die Position der Universität ist in dieser Frage eindeutig. An der Rückseite des Studentenclubs Moritzbastei sei der geeignete Platz, um Marx in der Innenstadt, aber doch nicht an exponierter Stelle neu aufzustellen, sagt Uni-Rektor Franz Häuser. Einige Quadratmeter des Grund und Bodens jedoch gehören der Stadt und die mag sich bisher zu Marx nicht so recht äußern.
Die Rückseite der Moritzbastei sei nicht "adäquat", sagt Kulturdezernent Georg Girardet. Er wünsche sich einen durchaus etwas besser einsehbaren Ort und könne sich zugleich vorstellen, den Marx in Einzelteilen, so wie er jetzt demontiert wird, aufzustellen. Die Künstler hätten Entgegenkommen signalisiert. "Das ist natürlich großer Blödsinn" entgegnet Klaus Schwabe. Ein Wiederaufbau in vier Teilen komme überhaupt nicht in Frage. "Da kann man es auch gleich einschmelzen", sagt er.
Die Meinung der Leipziger zum Marx-Bildnis ist durchaus geteilt. "Ich bin empört, dass er wegkommt", sagt eine Passantin. Diese Plastik sei ein Stück Geschichte und die könne man nicht einfach auf dem Müll werfen. Rudolph Christoph ist da etwas ruhiger bei dieser Frage. Der 72-Jährige hatte selbst jahrelang für die Gießerei in Lauchhammer gearbeitet, die den Marx am 6. Oktober 1974, einen Tag vor dem 25. Jubiläum der DDR, aufgestellt hatte und jetzt auch wieder abnimmt. "Der Marx steht ja auch für das gute in der DDR", sagt der Rentner. Aber dass die Universität ihn nicht an ihr neues Gebäude hängen will, das könne er gut verstehen. Diese Zeiten seien eben vorbei.