Verbannen für immer, fordern viele Leipziger. Zu ihnen gehört Schriftsteller Erich Loest, Ehrenbürger der Stadt. Der 80-Jährige will das Relief an den Stadtrand verbannen. Dorthin, wo DDR-Staatschef Walter Ulbricht die Trümmer der gesprengten Paulinerkirche abladen ließ. "Die bürgerliche Kirche ist damals im Geiste von Karl Marx, der klassenkämpferisch Neues wollte und die Religion hasste, gesprengt worden", sagt Loest. Die Überreste der Kirche und die sozialistische Kunst auf einer "Trümmerhalde" vereint - so hätte Loest es gern.
Andere kämpfen für einen Ehrenplatz im neuen Campus, der rund 150 Millionen Euro kosten soll. Die Linkspartei.PDS im Stadtrat hat beantragt, das Objekt an exponierter Stelle aufzustellen. Der Protest der Jungen Union kam prompt: "Das Relief ist symbolisch für den Dogmatismus des Marxismus-Leninismus in der DDR und damit für die Unfreiheit der Wissenschaft", sagt der Kreisvorsitzende Marco Hertwig. Die Devise könne nur lauten: "endlagern".
"Es gibt Verletztheiten, die bei derartigen Anlässen aufbrechen", kommentiert Häuser die emotionale Diskussion. Dem Rektor ist dies spätestens seit der erbitterten Diskussion um einen Wiederaufbau der 1968 von Walter Ulbricht gesprengten Universitätskirche, der Paulinerkirche, vertraut. Auf ihrem einstigen Platz entstand das Gebäude, an dem das Marx-Relief am 5. Oktober 1974 angebracht wurde. Drei Jahre lang hatten die Künstler Frank Ruddigkeit, Klaus Schwabe und Rolf Kuhrt daran gearbeitet.
"Wir können diese Geschichte nicht wegdrücken und wollen das auch gar nicht", sagt Häuser. Eine Verbannung des Marx-Reliefs kommt für die Uni daher nicht infrage. "Das Relief spielt eine Rolle bei einem Kunstkonzept zur 600-Jahr-Feier", schildert Häuser. Geht es nach der Hochschule, findet das Objekt an der benachbarten Moritzbastei seinen Standort.
Damit es überhaupt soweit kommen kann, ist eine schonende Demontage erforderlich. Die Federführung dafür liegt beim Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement. "Wir haben uns Unterstützung von dem Unternehmen geholt, das das Relief damals montiert hat", berichtet Wolfgang Trommer, Leiter der Niederlassung Leipzig II. Unter Regie der Lauchhammer Kunstguß GmbH & Co., einst volkseigener Betrieb, hat der Abbau des Reliefs am Montag begonnen.
Am 22. August dann sollen zwei Autokräne das Objekt in die Waagerechte heben. "Dann wird es am Boden auf ein Sandbett gepackt", schildert Ulrich Kühne, Geschäftsführer von Lauchhammer Kunstguss. Der Sand schützt den Boden. Denn dort erfolgt die heißeste Arbeit: das Zerteilen in vier Teile. "Dort, wo es zusammengebaut wurde, wird es nun mit einem Plasmatrennschnitt zerteilt." Noch am selben Tag soll der Abtransport auf extra hergestellten Stahlgestellen erfolgen. Rund 150 000 Euro kostet die Aktion insgesamt.
Im Betriebshof der Leipziger Universität harrt das Relief dann der Dinge. Die Diskussion läuft. Auch ein Gespräch zwischen Häuser und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) steht noch aus. Aus dem Rathaus heißt es dazu, die Stadt habe noch keinen abschließenden Standpunkt.