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| 22:53 Uhr

Martin: Regen hat mir das Genick gebrochen

Der deutsche Radrennfahrer Tony Martin vom Team Katusha fährt ins Ziel.
Der deutsche Radrennfahrer Tony Martin vom Team Katusha fährt ins Ziel. FOTO: Daniel Karmann (dpa)
Düsseldorf. Tony Martin fuhr zum Auftakt der Tour de France im 14-Kilometer-Zeitfahren auf regennasser Straße nur auf Rang vier. Was war los? dpa/bob

Völlig ausgepumpt setzte sich Tony Martin 500 Meter hinter dem Ziel auf einen kleinen Stuhl, wischte sich den Regen aus dem Gesicht und schüttelte enttäuscht den Kopf. „Ich war am Limit. Der Regen hat mir ein wenig das Genick gebrochen, aber so ist der Sport. Es war trotzdem ein gutes Zeitfahren„, sagte Martin, nachdem er beim Heimspiel in Düsseldorf am ersten Gelben Trikot der 104. Tour de France knapp vorbeigeschlittert war.

Acht Sekunden fehlten Martin im strömendem Regen als Vierter am Ende auf den siegreichen Briten Geraint Thomas, der bei früherer Startzeit weitaus bessere Bedingungen vorgefunden hatte. Für den Mitfavoriten Alejandro Valverde dauerte die Tour 2017 nur wenige Minuten. Der Spanier aus dem Nairo-Quintana-Team musste nach einem folgenschweren Sturz verletzt ins Düsseldorfer Universitäts-Krankenhaus transportiert werden.

Er rutschte auf regennassem Asphalt in einer Kurve aus und krachte in die Absperrgitter. Damit hat der zweimalige Tourzweite Quintana seinen wichtigsten Helfer verloren. Valverde erlitt womöglich einen Bruch der linken Kniescheibe und zog sich eine tiefe Fleischwunde am Bein zu. Er wird mehrere Monate ausfallen.

Die Stürze - auch Debütant Rick Zabel hatte es erwischt - zwangen einige Fahrer zu besonderer Vorsicht. „Am Ende hat es extrem geregnet. Ich habe in den Kurven ein wenig Tempo herausgenommen“, sagte Topsprinter Marcel Kittel, der sich mit lediglich 16 Sekunden Rückstand auf Thomas (16:04) achtbar schlug. Die Chancen auf schnelles Gelb sind allerdings gering. Ein möglicher Sieg am Sonntag im Ziel der zweiten Etappe in Lüttich würde zehn Sekunden Zeitgutschrift bringen.

Trotzdem war der Erfurter „superstolz“, den ersten Tourstart in Deutschland seit 1987 erleben zu dürfen. Rund 500 000 Fans standen nach Angaben der Stadt an der Strecke - viele kamen aus den Niederlanden oder Belgien - und sorgten fast für Karnevalsstimmung. „Es war so laut. Ich habe den Funk in meinem Ohr gar nicht gehört“, schwärmte Martin von der besonderen Atmosphäre in der Rheinmetropole, die sich den Tourspaß rund 13 Millionen Euro kosten ließ.

Der stärkste der Klassementsfahrer war am Samstag Vorjahressieger Froome. Der Brite, der die Tour zum vieren Mal gewinnen will, fuhr in 16:16 Minuten auf den sechsten Platz und nahm damit seinen Hauptkonkurrenten Richie Porte (Australien) 35 Sekunden ab. Der Kolumbianer Quintana (+36) und Alberto Contador (Spanien/+42) verloren noch mehr Zeit auf den dreifachen Toursieger.

Der deutsche Ex-Meister Emanuel Buchmann, der bei der Tour auf das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers spekuliert, war mit seiner Zeit von 16:44 zufrieden. „Ich bin auf den nassen Straßen nicht volles Risiko gefahren, die schwierigste Stelle war vielleicht die Kurve vor der ersten Brückenauffahrt. Sonst ging es gut“, meinte der Ravensburger. Er verlor auf Froome nur 28 Sekunden.

Einige Zeit hatte der Sunweb-Sprinter Nikias Arndt mit 16:20 die Bestzeit gehalten. „Das war ein schönes Gefühl, hätte noch länger dauern können“, sagte der Bocholter vom Bora-hansgrohe-Team.

Der Start in Düsseldorf stand unter großen Sicherheitsvorkehrungen. Auf den Dächern der Messehallen waren im Start- und Zielbereich sogar Scharfschützen postiert. Unter den Ehrengästen waren Prinz Albert von Monaco und Justizminister Heiko Maas.

Zum ersten Mal nach 30 Jahren fand ein Grand Départ der Tour wieder in Deutschland statt. 1987 war die Tour-Karawane im Westteil Berlins, der damals noch geteilten Stadt, gestartet.