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"Martin Luther war ein Grübler"

Mit viel Zuversicht geht Bischof Markus Dröge in das Reformationsjubiläum.
Mit viel Zuversicht geht Bischof Markus Dröge in das Reformationsjubiläum. FOTO: dpa
Am kommenden Montag beginnt das Reformationsjubiläum: Mit zahlreichen Veranstaltungen erinnern Staat und Kirche an den 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther. Die RUNDSCHAU sprach aus diesem Anlass mit dem Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge. Mit Markus Dröge sprach Benjamin Lassiwe/iwe1

Bischof Dröge, was ist das Besondere an Martin Luther?
Martin Luther war ein Grübler. Er hat nach seinem Seelenheil gesucht, wollte wissen, wie er in den Himmel kommt. Und dann hat er in der Bibel, im Römerbrief, diese Entdeckung gemacht: Ich werde gerecht vor Gott, also angenommen von Gott, nicht durch meine eigene Leistung. Sondern dadurch, dass Gott mich anerkennt. Und da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Und er merkte: Ich muss mich nicht immer wieder selbst inszenieren, ich bin akzeptiert und kann deswegen mein Leben frei gestalten. Für mich selbst und in Verantwortung für andere.

Was bedeutet Luther für den Menschen von heute?
Mir wird immer wichtiger, dass die Reformation ein Ereignis für den Einzelnen war, das dem einzelnen Menschen Zuversicht geschenkt hat. Und Zuversicht ist auch heute wichtig. Wir leben ja in einer Zeit, in der Menschen mit Sorge in die Zukunft schauen. Wir leben in einer Zeit, in der Menschen kein Vertrauen, sondern eher Misstrauen entwickeln, und in der wir eine gesellschaftliche Verhärtung erleben. Dagegen sagt die Botschaft der Reformation ganz klar: Der Mensch kann seine Sorgen überwinden, weil er sich innerlich befreit weiß. Er kann ein tiefes Grundvertrauen empfinden, weil er angenommen ist von Gott. Luther hat die Sorgen ja schön beschrieben als das Herz, das in sich selbst verkrümmt ist, und das sich deswegen nicht für andere öffnen kann.

Was hat das mit unserer Gegenwart zu tun?
Ich glaube, dass das eine zentrale Botschaft heute ist: Wenn Sie sehen, wie in unserer Gesellschaft die rechtspopulistische Bewegung aufkommt, die ja von der Sorge profitiert, wir würden mit dem, was uns wichtig ist, in unserer eigenen Welt nicht mehr vorkommen - da erleben wir eine solche Verhärtung. Die christliche Botschaft sagt: Du, Mensch, brauchst Dich nicht zu verhärten. Du kannst zuversichtlich durchs Leben gehen. Dazu kommt seine Gewissensfreiheit: Was ich erkannt habe in meinem Gewissen, danach lebe ich - immer bereit, mich infrage stellen zu lassen, aber nur aufgrund von Vernunftgründen, oder biblisch begründet. Das gibt eine starke Persönlichkeit, innerlich gefestigt, aber auch bereit, den Diskurs zu suchen.

Im Reformationsjahr findet eine besondere Veranstaltung auch in Kerkwitz, in der Lausitz, statt.
Ja, der Truck des europäischen Stationenwegs, der 68 Reformationsorte in Europa verbindet, wird in Kerkwitz einen Stopp einlegen - obwohl das ja kein Ort mit einer besonderen Reformationsgeschichte ist. Aber wir wollen damit zeigen, dass sich evangelischer Glaube immer in die aktuellen gesellschaftlichen Themen und Herausforderungen hineinbegibt. Und Kerkwitz ist das Symbol für die Problematik der Braunkohle, der wir uns als Kirche ganz besonders widmen. Wir wollen ja auch ein Zentrum für Dialog und Wandel in der Lausitz einrichten. Wenn der Lastwagen des Stationenwegs nach Kerkwitz kommt, wollen wir darauf aufmerksam machen, dass wir uns als Kirche in der Tradition von Martin Luther um aktuelle Herausforderungen, und so auch um den Strukturwandel in der Region kümmern. Das ist Teil unseres evangelischen Glaubens.