Seit mehr als zwei Jahren betreut die Hunde-Tagesmutter Vierbeiner aller Rassen und jeden Alters - eine Geschäftsidee mit wachsendem Erfolg. Die 31-Jährige hat damit in Leipzig eine Marktlücke entdeckt, denn in Sachsen und auch in anderen Bundesländern gibt es bisher nur sehr wenige Möglichkeiten der Tagesbetreuung für Hunde.
Statistiken darüber existieren nicht. Henschel hat aber bereits Anfragen von Bayern bis Hamburg von Interessenten bekommen, die sich auch mit einer "Huta" selbstständig machen und von ihren Erfahrungen profitieren wollten. Täglich bringen etwa 15 Hundebesitzer ihre Lieblinge auf das von der Hunde-Sitterin angemietete, 1500 Quadratmeter große Gelände. Dort können die Hunde auf einer abgezäunten Freifläche herumtollen und spielen, bis ihnen die Zunge herunter hängt. Auch der tägliche Gassi-Gang in den Wald ist ein Muss.
"Ich nehme nur gut sozialisierte Hunde auf, keine Beißer", sagt die selbstständige Tagesbetreuerin von Boris, Paula, Kike, Zoe - wie Vierbeiner heutzutage oft heißen. Das einzige Problem, was viele Besitzer haben: Sie bekommen ihr Tier am Nachmittag kaum noch weg aus der fröhlichen Hunde-Gemeinschaft. Ein Impfpass und die Steuermarke sind weitere Voraussetzungen für die Aufnahme in Henschels Hundebetreuungsstätte. In den vergangenen Wochen musste die junge Frau, die selbst zwei Hunde besitzt, sogar Interessenten für ihre "Huta" wegen drohender Überfüllung wegschicken.
Zwar wird die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte mit ihrer Geschäftsidee nach eigenen Angaben nicht reich, aber sie habe darin ihre Erfüllung gefunden, berichtet sie. Pro Tag bezahlen Hundebesitzer zehn Euro, die ebenfalls mögliche kurzfristige Betreuung kostet 1,50 Euro pro Stunde. "Manche gehen nur mal für zwei Stunden einkaufen und lassen derweil ihre Hunde hier", erzählt die Hunde-Sitterin, die einen Sachkundenachweis für den Umgang mit den Tieren vorlegen kann.
Der Service einer "Huta", den viele Hundebesitzer begrüßen, stößt beim Deutschen Tierschutzbund in Bonn dagegen auf herbe Kritik. "Wer sich ein Tier zulegt, sollte vorher wissen, ob er genügend Zeit dafür hat", sagt Steffen Seckler, der Sprecher der Organisation. Er betrachte Hundehüter-Angebote wie das von Mandy Henschel generell mit Skepsis. "Hutas" seien nur in Ausnahmesituationen zu empfehlen. Die Tiere dürften nicht in die Tagesbetreuung abgeschoben werden, sondern bräuchten ihren Halter, der ihnen Ansprache biete und sie erziehe. In der Tagesstätte bestehe die Gefahr, dass sich der Hund von seinem Besitzer nicht mehr erziehen lasse und Herrchen beziehungsweise Frauchen die Autorität einbüßten.
Peter Vater, der Chef des sächsischen Landestierschutzverbandes in Görlitz, ist da ganz anderer Meinung. "Heutzutage geht die Arbeit vor", sagt er. "Hutas" seien eine gute Sache, wenn die Tiere artgerecht untergebracht würden. Wer seinen Liebling in eine solche Einrichtung gebe, zeige Verantwortungsgefühl. "Er gibt Geld dafür aus, dass es dem Hund gut geht", argumentiert er. Schließlich werfe auch niemand berufstätigen Eltern vor, ihren Sprössling in den Kindergarten abzuschieben.