Mehrmals die Woche beschlagnahmen wir an der deutsch-polnischen Grenze ganze LKW-Ladungen mit jeweils 85 000 Raubkopien" , erklärt Horst Mattner vom Frankfurter Hauptzollamt.
Dass Markenware nicht teuer sein muss, haben professionelle Fälscher schon längst entdeckt. Das zeigt auch eine aktuelle Ausstellung mit echten Fälschungen im Foyer der Frankfurter Industrie- und Handelskammer. "Die Produktpiraten orientieren sich am Markt. Was gern gekauft wird, kann man auch billiger, aber optisch perfekt nachmachen" , erläutert Reinhard Servas, Vorsitzender des Arbeitskreise für Unternehmenssicherheit Berlin-Brandenburg (AKUS). Er weist auf zwei Pokemon-Plüschtiere in der Schauvitrine. Der Betrachter ist verblüfft: Unterschiede sind rein äußerlich nicht auszumachen. Auch Original und Fälschung von Mercedes-Stern, Marken-Jeans oder Fußball-Fanclub-Schal kann man auf den ersten Blick nicht unterscheiden.
Raubkopien wie DVDs und Computerspiele haben laut Servas weltweit bereits 40 Prozent Marktanteil. Aufgrund des Umsatzverlustes durch die Billigkonkurrenz musste schon so mancher mittelständische Unternehmer aufgeben, weiß Knuth Thiel, Sicherheitsexperte der Frankfurter IHK. Um zumindest der Plagiat-Schwemme aus dem Ausland zu begegnen, können sich Markenfirmen bei der Zentralstelle gewerblicher Rechtsschutz in München melden. Dem Zoll wird die Liste übermittelt, als Dienstleister kontrolliert er im Auftrag dieser Firmen importierte Wareneingänge und damit verbundene Rechtschutzverstöße. Entdeckte Fälschungen werden beschlagnahmt und vernichtet.

Zu vielen Tricks greifen
Was gerade gut läuft, taucht garantiert auch an der deutsch-polnischen Grenze auf, neben Harry-Potter-Utensilien derzeit auch Handy-Schalen und Designer-Brillengestelle. "Die von uns entdeckten Plagiate stammen meist aus Polen oder den ehemaligen GUS-Staaten" sagt Mattner, Zoll-Sachbearbeiter für Markenschutz. Da die Produktpiraten wüssten, dass sie ihre Billigkopien nicht in die Europäische Union einführen dürften, würden sie zu allerlei Tricks greifen. Wo "made in Germany" draufsteht, muss noch lange keine deutsche Wertarbeit drin sein. Selbst der Herkunftsnachweis wird gefälscht. Erst in der vergangenen Nacht hatten Zöllner einen Transporter mit billigkopierten Autoersatzteilen entdeckt.

Es geht um Rufschädigung
Und da hört für AKUS-Chef Servas der Spaß schon lange auf. Geht es hier doch nicht nur um einen schwerwiegenden Imageverlust, sondern um Rufschädigung und Nachgemachtes KfZ-Zubehör aus minderwertigen Materialien hat in der Vergangenheit schon zu schweren Unfällen geführt. "Selbst Händler können oftmals nicht zwischen Original und Plagiat unterscheiden. Ausschlaggebender Hinweis bliebt der Preis" , warnt Servas. Nicht zu Spaßen ist seinen Angaben nach auch mit gefälschten Medikamenten. Zum Schmunzeln gibt es in der bis Januar laufenden Fälscher-Ausstellung trotzdem etwas: Stümperhafte Versuche, den Verbraucher zu täuschen. Aus der Marke NIVEA wird so auf der Verpackung schnell mal "Niva" , der nachgemachten Swatch-Uhr fehlt das "S" im Schriftzug.