Dort steht in den nächsten zwei Stunden EZB-Präsident Mario Draghi den Mitgliedern des Haushalts-, Finanz- und Europa-Ausschusses Rede und Antwort. Jener Mario Draghi, den CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt vor einiger Zeit noch als "Falschmünzer" bezeichnet hat.

In einem beispiellosen Auftritt versucht Draghi, hinter verschlossenen Türen und vor mehr als 100 Abgeordneten des Bundestages, um Verständnis für seinen Kurs im Kampf gegen die Eurokrise zu werben. Offenbar durchaus mit einigem Erfolg - zumindest in der Regierungskoalition. Als sich die Türen am späten Nachmittag wieder öffnen, sind aus ihren Reihen viele zufriedene Stimmen zu hören. In der Opposition dagegen ist die Stimmung durchwachsen.

Zentrales Thema des Gesprächs war - natürlich - die umstrittene Ankündigung der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenstaaten zu kaufen, um diese zu stützen. Die Ankündigung ist vor allem in Deutschland auf große Bedenken gestoßen - auch in der Koalition. Im Ausland hingegen sorgte der Eindruck, dass Berlin die Unabhängigkeit der EZB in Zweifel ziehe, für so manches Stirnrunzeln.

Die gestrige Botschaft soll denn auch anders lauten. "Herr Draghi hat sehr eindrücklich die Kernbotschaften seine Programmes dargelegt", lobt Unionshaushälter Norbert Barthle. Vor allem was die Unabhängigkeit der EZB und den Kampf um die Preisstabilität angehe, seien Draghis Antworten sehr überzeugend gewesen. Nun sei klar, dass alle Inflationsängste unbegründet seien. Später wird Barthle sein Lob noch einmal steigern: "Er erschien uns als preußischer Südeuropäer."

FDP-Generalsekretär Patrick Döring gibt sich zurückhaltender, lobt die Bereitschaft des EZB-Chefs, sich den Fragen der Volksvertreter zu stellen. "Insofern ist diese offensive Kommunikation auch eine vertrauensbildende Maßnahme." Sein Fraktionskollege Frank Schäffler sieht das ganz anders. "Herr Draghi hat sein Programm abgespult, und das Establishment des Parlaments hat Fragen gestellt", sagt der Dauerkritiker des Euro-Rettungskurses. Es gebe keinen Zweifel, dass Draghi die Stabilitätsregeln schleife. Aber der sei immer ein Falke im Taubenkleid gewesen.

So weit will nicht einmal die Opposition gehen. Nach Ansicht von SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider konnte Draghi vor allem den Hauptvorwurf nicht ausräumen - nämlich, dass der Kurs der EZB auf eine Vergemeinschaftung der Haftung hinauslaufe, ohne dass Bundestag und Steuerzahler überhaupt gefragt wurden. Gesine Lötzsch von der Linksfraktion meint: "Herr Draghi ist diplomatisch natürlich sehr geschickt, er hat bestimmte Fragen einfach umgangen."

Während die Abgeordneten noch ihre Eindrücke austauschen, stellt sich Draghi zusammen mit Bundestagspräsident Nobert Lammert (CDU) den Medien. Der EZB-Chef wirkt zufrieden. Seine eigenen Aussagen will er nicht bewerten. Die Schönheit liege im Auge des Betrachters, wehrt Draghi auf Englisch ab, um sich dann noch einmal ausdrücklich für die Gelegenheit zum Austausch zu bedanken.