Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes, unterstützt seinen zornigen Chef: "Verdi will uns an die Wand drücken. Das wird aber nicht gelingen." Fast süffisant verweisen beide auf die harten Fakten: Bei verdi seien nach eigenen Angaben nur gut 1000 Mediziner organisiert, beim Marburger Bund dagegen fast 105 000 von insgesamt 140 000 Krankenhausärzten in Deutschland.
Der Tarifkampf an Deutschlands Krankenhäusern entpuppt sich somit auch immer mehr als erbittert geführter Machtkampf der beiden Gewerkschaften verdi und Marburger Bund. Über vier Jahrzehnte hatten beide gemeinsam am Verhandlungstisch gesessen und an einem Strick in eine Richtung gezogen. Im September 2005 kam es dann zum Ende der Kooperation und zum großen Krach, der in einen Dauerkrieg mündete. Immer mehr Ärzte begehrten damals auf, sie fühlten sich durch die Dienstleistungsgewerkschaft unter ihrem machtbewussten Vorsitzenden Frank Bsirske in ihren Interessen nicht mehr richtig vertreten.

Rivalitäten und Querelen ausgenutzt
Und die Arbeitgeber von Bund, Ländern und Kommunen versuchen seitdem, die Rivalitäten und Querelen für sich zu nutzen. Jüngstes Beispiel: Verdi und die kommunalen Arbeitgeber hatten sich zu Wochenbeginn auf die Eckpunkte für einen Tarifvertrag geeinigt, der für das gesamte medizinische Personal an den 700 Kommunal-Krankenhäusern gelten soll und mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen bringt. Für die Ärzte habe man sich auf höhere Bezüge von im Schnitt zehn Prozent gegenüber dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) geeinigt, sagte der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Thomas Böhle. Unter dem Eindruck der Demonstration des Marburger Bundes gestern in Hannover forderte Böhle die Ärztegewerkschaft auf, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren, den der Marburger Bund am 18. Juli verlassen hatte, weil er das Arbeitgeberangebot als völlig unzureichend ansah.
Das Ziel ist klar: Die kommunalen Arbeitgeber möchten das Tarifwerk, das mit verdi ausgehandelt worden ist, quasi eins zu eins auch mit dem Marburger Bund abschließen. Böhle ließ gestern allerdings erkennen, dass er für Veränderungen im Detail durchaus offen sei. Was als Hinweis auf den Tarifabschluss von Mitte Juni zwischen Marburger Bund und Universitätskliniken gewertet werden muss, der - mit wenigen Änderungen - erst zustande gekommen war, nachdem verdi und die Länder sich auf einen Abschluss geeinigt hatten.

Verdi-Abschluss stachelt an
Verdi sieht sich in der besseren Position. "Wenn der Marburger Bund aufhört zu streiken, tritt er das Mandat für Tarifgespräche faktisch wieder an uns ab. Macht er weiter, riskiert er wegen des am Dienstag vorgelegten verbesserten Angebots für die Ärzte, dass an der Mediziner-Basis der Wille für Kampfmaßnahmen rasch schwindet." Beim Marburger Bund sieht man das anders: "Das wird unsere Leute jetzt erst recht auf die Palme bringen. Der verdi-Abschluss stachelt uns nur noch mehr an." Hauptgeschäftsführer Ehl: "Wir werden ohne einen eigenen Abschluss nicht vom Platz gehen." Viele große Kliniken der Städte hätten längst mit dem Marburger Bund abgeschlossen und zahlten gute Gehälter, während auf dem Land schlechte, mit verdi vereinbarte Gehälter gezahlt würden. Separate Verhandlungen mit einzelnen Krank enhäusern würden jetzt verstärkt fortgesetzt.
Die Ärztegewerkschaft will für die kommunalen Krankenhäuser einen ähnlichen Tarifabschluss erreichen wie bei den Uni-Kliniken. Dass aber lehnen die Kommunen als unbezahlbar strikt ab.