"Pioniere ziehen weiter, die Siedler bauen aus", ließ Kurtzke gestern seine Sprecherin ausrichten.

Der 45-Jährige übernehme künftig die Geschäftsführung der Porsche Design Group, teilte die Stuttgarter Porsche-Zentrale am Freitag mit. Das neue Metier des Chefs der Porzellan-Manufaktur wird die Luxusmarke "Porsche Design", die Bekleidung, Taschen und Brillen anbietet.

Kurtzke leitete sieben Jahre lang die Geschäfte des 300 Jahre alten Traditionshauses. Im Auftrag des Aufsichtsratschefs Kurt Biedenkopf sollte Kurtzke den staatlichen Porzellanhersteller in einen internationalen Luxuskonzern umwandeln. Statt Services mit Zwiebelmuster wirbt das Haus nun mit Tüchern, Möbeln und einer eigenen Haute-Couture-Linie. Doch diese Strategie ist hoch umstritten, weil sehr teuer.

Ob die Manufaktur Meissen unter den großen Luxusmarken mitmischen kann, lässt sich nicht absehen. Kurtzke wird das Haus in den nächsten Wochen verlassen, teilte das Dresdner Finanzministerium gestern mit.

Die Geschäfte soll der kaufmännische Geschäftsführer Tillmann Blaschke leiten, bis ein Nachfolger fest steht.

Dass der Umbau der Manufaktur damit umgekehrt wird, ist indes fraglich. Trotz aller Kritik an Kurtzke sind sich Parteien und Aufsichtsrat weitgehend einig, dass das Porzellan-Geschäft allein die 630 Mitarbeiter am Meißner Stammhaus auf Dauer nicht halten kann.

Erst im Januar hat die Manufaktur eine Niederlassung in Peking eröffnet, im April soll die nächste in Schanghai folgen. Doch um die Finanzen steht es schlecht. Im Jahr 2013 musste der Freistaat mit einem Darlehen von 12,2 Millionen Euro einspringen, 2014 mit weiteren Krediten von knapp zehn Millionen Euro.

Nach einer Krisensitzung im Sommer bekam Kurtzke einen Vize zur Seite gestellt. Seit Herbst läuft der Staatsbetrieb als Stiftung. Kurtzke selbst sieht die Manufaktur für die Zukunft gerüstet und gut aufgestellt.