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Manöver-Duell in Osteuropa

Rumänische Soldaten nehmen am 16.07.2017 in Bordusani (Rumänien) an der US-geführten Militärübung „Saber Guardian 17“ teil. An der Militärübung nehmen 25 000 Soldaten aus den USA und über 20 weiteren Nationen teil.
Rumänische Soldaten nehmen am 16.07.2017 in Bordusani (Rumänien) an der US-geführten Militärübung „Saber Guardian 17“ teil. An der Militärübung nehmen 25 000 Soldaten aus den USA und über 20 weiteren Nationen teil. FOTO: Andreea Alexandru (AP)
Berlin/Poznan. Mehrere chinesische Kriegsschiffe auf dem Weg in die Ostsee haben in dieser Woche für Aufsehen gesorgt. Sie sind Teil einer gemeinsamen Übung mit der russischen Marine – nicht ganz zufällig zeitgleich mit der größten Nato-Übung in Osteuropa. bob/mit dpa

Nach Angaben aus Nato-Kreisen wurde die chinesische Flotte am Montag unter anderem von der niederländischen Marine gesichtet. Sie soll aus einem Zerstörer, einer Fregatte und einem Versorgungsschiff bestehen. Wie es aus Nato-Kreisen hieß, wollen Russen und Chinesen in diesem Monat erstmals überhaupt gemeinsam in der Ostsee üben.

Das russische Verteidigungsministerium teilte der Agentur Interfax zufolge mit, dass die chinesischen Kriegsschiffe gegen Ende der Woche im Hafen von Baltijsk, dem Sitz der Baltischen Flotte, erwartet würden. Die Übung "Maritime Zusammenarbeit 2017" soll demnach vom 24. bis 27. Juli in der Ostsee stattfinden. Beteiligt sind etwa zehn Schiffe verschiedener Klassen. Auch in der Barentssee und im Ochotskischen Meer in Ostasien sind den Angaben zufolge Übungen geplant.

Die Nato führt seit der vergangenen Woche in Rumänien, Ungarn und Bulgarien ihre diesjährige Großübung "Saber Guardian 17". Teil des Manövers sind auch maritime Übungen im Schwarzen Meer. Rund 25 000 Soldaten aus 22 Nato-Staaten sind beteiligt. Russland hatte das Manöver und die Stationierung amerikanischer und weiterer Nato-Truppen vom Baltikum bis Südosteuropa wiederholt kritisiert. Ein russisches Beobachterteam nimmt an den Nato-Manövern teil.

Die Manöver sind Teil einer angespannten Lage zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn, die seit der Annexion der Krim 2014 anhält. Das zeigt sich auch bei der Nato-Luftraums. Rund 870 Alarmstarts ordneten die beiden Gefechtsstände in Osteuropa nach Nato-Angaben im vergangenen Jahr an - so viele wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. In den meisten Fällen waren russische Militärflugzeuge, die den Hoheitsgebieten der Nato-Staaten nahe kamen, der Auslöser.

"Es hat einen Aufschwung bei den russischen Aktivitäten gegeben", sagt der britische Nato-General Paddy Teakle. Grund dafür sei vor allem das militärische Eingreifen Russlands in den Syrien-Konflikt. Auch über der Ostsee und dem Schwarzen Meer seien seit Beginn der Ukraine-Krise mehr russische Militärflieger gesichtet worden. Beunruhigt ist der Nato-Kommandant deshalb jedoch nicht. "Ich denke nicht, dass es unerwartet kam, allzu dramatisch ist oder übermäßig betont werden muss", kommentiert Teakle betont gelassen. "Wir kommen damit klar. Wir haben die Mittel an Ort und Stelle, um damit fertig zu werden."

Nach der Annexion der Krim durch Russland 2014 hatte die Nato als Zeichen der Bündnissolidarität die Luftraumüberwachung über den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen verstärkt. Nirgendwo anders kommen sich die Streitkräfte der Nato und Russlands so nahe wie im internationalen Luftraum über der Ostsee, der dort an der schmalsten Stelle weniger als fünf Kilometer breit ist.